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Südosteuropa EDC Newsletter
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Ausgabe Nr.
6, August 2006
Vorwort der Herausgeberin
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sicher haben Sie sich schon gefragt, warum Sie seit
einigen Monaten keinen EDC Newsletter mehr erhalten. Der Grund ist, dass
wir erst spät im Frühjahr die Finanzierungszusage unseres Geldgebers
erhalten haben und dann so viel Arbeit hatten, dass die sechste Ausgabe
erst jetzt fertig geworden ist. Wir freuen uns jedoch, dass wir Ihnen in
diesem Jahr drei neue Ausgaben anbieten können.
Als Thema für diese Sonderausgabe habe ich „Wasser“ gewählt, denn
damit sind Sie in Ihrem Sommerurlaub sicher in vielerlei Hinsicht in
Berührung gekommen. Es ist heiß, man hat viel Durst, möchte oft duschen,
schwimmt im Meer, im Fluss oder in einem See. Vielleicht waren Sie auch
an einem Urlaubsort, wo plötzlich das Wasser abgestellt wurde, weil
nicht genug da war. |

|
Nun werden Sie fragen: Was hat das mit
Demokratiebildung zu tun? Nun, viel mehr, als man auf den ersten Blick
vermutet! Das Thema Wasser ist ein wichtiges Thema und sogar ein großes
politisches Thema! Wasser ist die Grundlage jeden Lebens, und eines der
größten Probleme auf der Welt ist, dass es nicht genug davon gibt und es
außerdem sehr ungerecht verteilt ist.
Ich lade Sie also dazu ein, sich ein wenig mit einem Thema zu
beschäftigen, das meines Erachtens einen festen Platz im Bildungswesen
braucht, denn das Bewusstsein für die Wasserproblematik ist noch viel zu
gering.
Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei unserer ehrenamtlichen
Praktikantin Elina Stock, die dieses Thema für Sie aufbereitet und
diesen Newsletter geschrieben hat.
Ich grüße Sie sehr herzlich und sende Ihnen meine besten Wünsche für den
Start nach der Sommerpause!
Ingrid Halbritter
INHALT
edc spezial:
Knapp, ungleich verteilt und hart umkämpft: Wasser - ein
unverzichtbares Bildungsthema für nachhaltige Entwicklung
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschärft sich fast unbemerkt von einem
großen Teil der Öffentlichkeit die Weltwasserkrise. Durch anhaltendes
Bevölkerungswachstum, die Auswirkungen des Klimawandels und den
verantwortungslosen Umgang mit der Ressource Wasser kommt es in vielen
Regionen der Welt zu einer massiven Ausweitung der Wasserknappheit. Es
wird Zeit, sich mit der Problematik, ihren Ursachen und Folgen
auseinanderzusetzen und natürlich mit den Möglichkeiten solidarischen
Handelns.
im web: Linkliste zum Thema Wasser
Hier werden Kampagnen und Berichte internationaler Organisationen zur
Wasserproblematik vorgestellt sowie einige
Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen.
Außerdem gibt es Hinweise auf Websites mit didaktischen Materialien zum
Thema.
impressum
_________________________________________________
edc
spezial
Knapp, ungleich
verteilt und hart umkämpft: Wasser - ein unverzichtbares Bildungsthema
für nachhaltige Entwicklung
Elina Stock, M.A.
Ohne Wasser gibt es kein Leben.
Menschen, Tiere und Pflanzen sind abhängig vom natürlichen
Wasserkreislauf der Erde. Dieser gerät jedoch - bedingt durch das
stetige Bevölkerungswachstum, den steigenden Verbrauch der
Süßwasservorräte, ihre zunehmende Verschmutzung sowie infolge der
globalen Klimaerwärmung - immer mehr aus dem Gleichgewicht. Meldungen
über Hochwasser- und Dürrekatastrophen häufen sich, und die Zahl der
Länder mit gravierenden Wasserproblemen nimmt rasant zu. Nach Angaben
der Vereinten Nationen könnte im Jahr 2025 jeder dritte Mensch unter
akutem Wassermangel leiden. Bereits heute haben 1,1 Milliarden Menschen,
etwa ein Sechstel der Weltbevölkerung, keinen Zugang zu sauberem
Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen verfügen über keine oder
unzureichende sanitäre Einrichtungen. Jeden Tag sterben mehr als 6.000
Menschen (davon 4.000 Kinder unter fünf Jahren!) an
Durchfallerkrankungen und Infektionen, die auf verschmutztes Trinkwasser,
fehlende oder mangelhafte Abwasserentsorgung zurückzuführen sind.
Ohne Wasser gibt es keine Entwicklung. Der Zugang zu sauberem
Trinkwasser sowie die Verfügbarkeit von Wasser für die
Nahrungsmittelproduktion sind Grundvoraussetzungen für soziale und
wirtschaftliche Entwicklung. Wenn Wasser nur in ungenügenden Mengen und
mangelnder Qualität vorhanden ist, hat dies gravierende Folgen für die
individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Angefangen beim schlechten Gesundheitszustand derjenigen, die
verseuchtes Wasser trinken müssen, über den Verlust an Arbeitszeit und
Zeit für die Schulbildung von Frauen und Mädchen, die in stundenlangen
Fußmärschen Wasser herbeischleppen, bis zu Hungersnöten aufgrund
geringer oder gar ausbleibender Ernten.
Der Zugang zu Wasser ist regional und sozial sehr ungleich verteilt.
Während die meisten Länder des Nordens reichlich mit dieser
lebensnotwendigen Ressource ausgestattet sind, leiden vor allem Länder
des Südens unter Wasserknappheit. Gleichzeitig kommt es innerhalb der
Länder mit knappen Wasservorräten zu einer wachsenden
Verteilungskonkurrenz um das kostbare Gut: Während die Wohlhabenden im
wahrsten Sinne des Wortes „im Wasser schwimmen”, können die armen
Bevölkerungsschichten ihren Bedarf kaum decken und sind in einem
Teufelskreis von Wasserknappheit, Armut, Hunger, Krankheit und Tod
gefangen. Dies führt verstärkt zu Fluchtbewegungen und in zahlreichen
Regionen zu Spannungen und Konflikten. In Anbetracht des raschen
Bevölkerungswachstums und des steigenden Wasserverbrauchs wird sich der
Verteilungskampf zwischen Stadt und Land sowie zwischen Staaten, die
über gemeinsame Wasserressourcen verfügen, verschärfen. Wasser ist zu
einer Kriegsgefahr geworden. In 50 Jahren, so wird prognostiziert,
könnte es wertvoller sein als Gold und strategisch bedeutender als Erdöl.
Die internationale Staatengemeinschaft sieht sich zu Beginn des 21.
Jahrhunderts mit einer ernsthaften Wasserkrise konfrontiert, an
deren Brisanz der erste Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten
Nationen aus dem Jahr 2003 keinen Zweifel lässt: „Von allen Krisen
hinsichtlich der sozialen und natürlichen Ressourcen … ist die
Wasserkrise diejenige, die unser Überleben und das unseres Planeten Erde
am meisten bedroht.” Am diesjährigen Welttag des Wassers, dem 22. März,
hat die Weltorganisation einen zweiten Bericht mit dem Titel „Wasser –
eine gemeinsame Verantwortung“ vorgestellt und damit die Dringlichkeit
der weltweiten Wasserproblematik im Hinblick auf eine nachhaltige
Entwicklung unterstrichen. Beide Berichte sind im Internet unter
folgender URL verfügbar:
http://www.unesco.org/water/wwap/wwdr/index.shtml
Gemeinsame Verantwortung ist ein gutes Motto, denn wenn es um die
Zukunft unseres Planeten geht, sind wir alle zusammen verantwortlich –
als Weltgesellschaft. Während den politischen Institutionen die Aufgabe
zukommt, adäquate Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung zu
schaffen, ist es die Aufgabe der Bildungsinstitutionen, Bewusstsein für
einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der
Erde sowie für eine umweltverträgliche und gerechtere Gestaltung unserer
Lebenswelt zu schaffen (siehe hierzu auch
EDC Newsletter Nr. 4).
Sich in der Schule intensiver mit dem Thema Wasser zu
beschäftigen, erscheint vor diesem Hintergrund unverzichtbar. Und
tatsächlich: In vielen Lehrplänen findet Wasser - sei es in einzelnen
Fächern, sei es als Querschnittsthema - Erwähnung. Leider mangelt es
noch häufig an der Umsetzung, was – wie so oft – daran liegt, dass es zu
wenig finanzielle und personelle Ressourcen gibt und die entsprechenden
Materialien für den Unterricht fehlen. Ein weiterer Grund ist aber auch,
dass die Wasserkrise immer noch viel zu wenig in das Bewusstsein der
Lehrenden und Lernenden gelangt ist. Aus diesen Gründen habe ich ein
paar Informationen zusammengetragen, die einen kleinen Einblick in das
komplexe Themenfeld geben und Sie hoffentlich dazu anregen, die
Wasserproblematik in Ihrem Bildungsbereich verstärkt zum Thema zu machen.
Der blaue Planet …
Vom Weltraum aus gesehen erscheint uns die Erde als blauer Planet. Sie
ist zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt, wovon sich der größere Teil auf
der Südhalbkugel befindet. Von dem Gesamtwasservorkommen, ca. 1.386
Millionen Kubikkilometer, entfallen allein 96,5 Prozent auf das
Salzwasser der Weltmeere. Nur 3,5 Prozent des irdischen Wassers sind
Süßwasser und als Trinkwasser, zur Bewässerung in der Landwirtschaft
oder für industrielle Zwecke geeignet. Das meiste Süßwasser ist
allerdings im Eis an den Polen, in Gletschern und Dauerfrostböden
gebunden. Einen weiteren wichtigen Anteil macht das Grundwasser aus. Das
Wasser der Flüsse und Binnenseen, der Atmosphäre, des Bodens und der
Lebewesen ist vergleichsweise unbedeutend. Nur ein geringer Teil des
Süßwassers, ca. 0,3 Prozent, ist als Trinkwasser verfügbar. Wenn die
weltweiten Wasservorräte in einer Badewanne Platz hätten, dann würde der
Teil, der in einem Jahr dauerhaft genutzt werden kann, kaum einen
Teelöffel füllen.
… und sein bedrohtes Leben
Obwohl die Süßwasservorräte nur ein Prozent der Erdoberfläche ausmachen,
beherbergen sie rund 12 Prozent aller Tierarten, einschließlich 41
Prozent aller bekannten Fischarten. So artenreich die Flüsse und Seen
sind, so extrem anfällig sind sie gegenüber Umwelteinflüssen. Über ein
Fünftel aller Süßwasserfischarten sind in den letzten Jahren
ausgestorben oder vom Aussterben bedroht, und in manchen Regionen sind
ganze Süßwasserfaunen verschwunden. Die Rote Liste der bedrohten Tier-
und Pflanzenarten, die von der International Union for Conservation of
Nature and Natural Resources alle zwei Jahre veröffentlicht wird, wächst
und wächst (http://www.iucnredlist.org)!
Wenn es darum geht, wieviel Süßwasser den Menschen zur Verfügung steht,
dann zählt nicht die Gesamtmenge des Süßwassers der Erde, sondern die
Geschwindigkeit, mit der die Süßwasservorräte durch den globalen
Wasserkreislauf nachgeliefert werden. Maßgebend für eine nachhaltige
Nutzung sind also die so genannten erneuerbaren Süßwasserressourcen, die
in Form von Niederschlägen auf die Erde fallen. Wird dem Grundwasser und
den Seen nämlich mehr Wasser entzogen als durch Regen nachgeliefert wird,
versiegen diese Quellen längerfristig. Ein Beispiel ist der Aralsee,
dessen Volumen sich seit 1950 um 80 Prozent reduziert hat, weil den
Zuflüssen zuviel Wasser für die Bewässerungssysteme der Landwirtschaft
entzogen worden ist.
… und sein Wasserkreislauf

Der Wasserkreislauf wird von der Sonne angetrieben. Durch Verdunstung,
vor allem an der Meeresoberfläche, gelangt das Wasser als
Luftfeuchtigkeit in die Atmosphäre. Hierbei kann warme Luft mehr
Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Steigt warme Luft auf, kühlt sie
ab und kondensiert. Es bilden sich Wolken, aus denen das Wasser in Form
von Regen, Schnee oder Hagel wieder austritt und zur Erdoberfläche
zurückfällt. Ein Teil regnet über den Meeren ab, ein anderer Teil
gelangt über das Festland und gibt hier seinen Niederschlag ab. Während
der eine Teil dieses Wassers von der vegetationslosen Oberfläche
(Evaporation) verdunstet, versickert der andere Teil im Erdboden und
gelangt über die pflanzliche Transpiration wieder in die Erdatmosphäre (zusammengefasst:
Evapotranspiration). Über den Grundwasserabfluss, Bäche und Flüsse
gelangt der Niederschlag wieder in die Meere.
Jährlich fallen durchschnittlich etwa 113.000 km³ Niederschläge auf die
Kontinente und Inseln dieser Erde. Davon verdunsten etwa 72.000 km³
wieder in die Atmosphäre. Es bleiben also jährlich rund 41.000 km³, die
die Grundwasservorräte wieder auffüllen können oder durch Flüsse oder
auf anderem Wege ins Meer zurückgelangen. Mehr als die Hälfte davon
(28.000 km³) fließt bei Überschwemmungen ungenutzt ins Meer, weitere
5.000 km³ fließen durch Gebiete, wo das Wasser nur teilweise für die
menschliche Nutzung abgezweigt werden kann. Somit liegt die Obergrenze
der nutzbaren, sich erneuernden Süßwassermenge zwischen 9.000 und 14.000
km³ pro Jahr. Und ein erheblicher Teil davon ist zur Aufrechterhaltung
der natürlichen Ökosysteme nötig.
Wasserverfügbarkeit, Wasserknappheit und Wassermangel
Obwohl sich Wasser durch den oben beschriebenen Kreislauf ständig
erneuert, ist es eine begrenzte Ressource. Die Möglichkeit der
Meerwasserentsalzung hat Hoffnungen geweckt, die Weltmeere als
unerschöpfliche Süßwasserquelle nutzen zu können; doch diese Technik ist
und bleibt teuer, belastet die Umwelt und verbraucht eine Menge Erdöl,
das auch knapp wird.
Mit steigenden Bevölkerungszahlen sinkt die verfügbare Wassermenge pro
Kopf. Sie liegt angesichts einer Weltbevölkerung von 6,6 Milliarden bei
einer jährlichen Durchschnittsmenge von 1.500 bis 2.000 m³ pro Person.
Das sind ca. 30 Prozent weniger als im Jahr 1970, als es knapp vier
Milliarden Menschen auf der Welt gab. Bei sorgsamem Umgang mit dem
verfügbaren Wasser würde diese Menge auch heute für alle ausreichen,
theoretisch sogar für rund 20 Milliarden Menschen. Doch die natürlichen
Wasservorräte sind ungleich verteilt, denn Regen und andere
Niederschläge fallen zeitlich und regional unregelmäßig.
In einigen Gebieten dieser Erde regnen regelmäßig enorme Mengen ab, wie
zum Beispiel auf den pazifischen Inseln (jährlich bis zu 11.500 mm in
Kanuai, Hawaii) oder Orten in Indien (Cherrapunji, jährlich 11.477 mm).
In Trockengebieten gibt es dagegen kaum Niederschläge (Lima: 41 mm; El
Golea in Algerien: 50 mm; Khartoum in Sudan: 160 mm) und es gibt Gebiete
wie die Atacama-Wüste in Chile, wo es tatsächlich nie regnet.
Als Maß der Wasserverfügbarkeit für ein Land oder eine Region wird die
jährliche erneuerbare Wassermenge pro Person verwendet. In der Schweiz,
dem Wasserschloss Europas, stehen zum Beispiel pro Kopf und Jahr 6.520
m³ erneuerbare Süßwasserressourcen zur Verfügung; in Saudi Arabien,
einem der wasserärmsten Länder, lediglich 160 m³. Derzeit leben über
eine halbe Milliarde Menschen in Ländern, in denen es an Wasser mangelt
oder in denen Wasserknappheit herrscht.
Die Begriffe Wassermangel und Wasserknappheit sind international
eindeutig festgelegt. Nach der Definition der schwedischen Hydrologin
Malin Falkenmark herrscht in Ländern, deren verfügbares erneuerbares
Süßwasserangebot pro Kopf und Jahr unter 1700 m³ liegt, Wasserknappheit.
Länder, deren jährliches Wasserangebot pro Kopf 1000 m³ unterschreitet,
sind von Wassermangel betroffen, der unter 500 m³ als extrem bezeichnet
wird. Im Jahr 1995 litten bereits 12 Länder unter extremen Wassermangel,
und die Tendenz ist - analog zum Bevölkerungswachstum - steigend.
Die zwanzig Staaten mit der geringsten Wasserverfügbarkeit 1995
|
Land |
Bevölkerung
(in Tausend) |
Wasser in
m³
pro Kopf |
|
Malta |
367 |
82 |
|
Qatar |
548 |
91 |
|
Kuwait |
1691 |
95 |
|
Libyen |
5407 |
111 |
|
Bahrein |
557 |
162 |
|
Singapur |
3327 |
180 |
|
Barbados |
261 |
192 |
|
Saudi-Arabien |
18255 |
249 |
|
Jordanien |
5373 |
318 |
|
Jemen |
15027 |
346 |
|
Israel |
5525 |
389 |
|
Tunesien |
8987 |
434 |
|
Algerien |
28109 |
527 |
|
Burundi |
6064 |
594 |
|
Kapverdische Inseln |
386 |
777 |
|
Oman |
2207 |
874 |
|
Ver. Arabische
Emirate |
2210 |
902 |
|
Ägypten |
62096 |
936 |
|
Kenia |
27150 |
1112 |
|
Marokko |
26524 |
1131 |
Die zwanzig Staaten mit der geringsten Wasserverfügbarkeit 2050
|
Land |
Bevölkerung
(in Tausend) |
Wasser in
m³
pro Kopf |
|
Libyen |
19109 |
31 |
|
Kuwait |
3406 |
47 |
|
Qatar
|
861 |
58 |
|
Malta |
442 |
68 |
|
Saudi-Arabien |
59812 |
76 |
|
Jemen |
61129 |
85 |
|
Bahrein
|
949 |
96 |
|
Jordanien |
16671 |
103 |
|
Singapur
|
4190 |
143 |
|
Barbados |
306 |
163 |
|
Oman |
10930 |
177 |
|
Burundi |
16937 |
213 |
|
Israel
|
9144 |
235 |
|
Tunesien
|
15907 |
245 |
|
Algerien |
58991 |
251 |
|
Kapverdische Inseln |
864 |
347 |
|
Somalia |
36408 |
371 |
|
Ruanda |
16937 |
372 |
|
Kenia |
66054 |
457 |
|
Ägypten
|
115480 |
503 |
Während heute der Nahe und Mittlere Osten
sowie Nordafrika am stärksten von Wasserknappheit betroffen sind, wird
es in 50 Jahren vor allem in Afrika südlich der Sahara ein Mangel an
Süßwasser geben. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich die dortige
Bevölkerung in diesem Zeitraum voraussichtlich verdoppeln,
möglicherweise sogar verdreifachen wird.
Doch Wasserknappheit bedroht nicht nur Entwicklungsländer, sondern auch
reiche Industrienationen wie Spanien, die USA, Japan und Teile
Großbritanniens. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des WWF (World
Wide Fund for Nature -
http://www.panda.org) hervor. Die Umweltorganisation fordert
eindringlich zu einem sparsameren und sorgsameren Umgang mit Wasser auf
– zu Recht: In den Industrieländern wird pro Person im Durchschnitt
täglich ca. zehnmal soviel Wasser verbraucht wie in Entwicklungsländern.
Konkreter: In Nordamerika und Japan erreicht der tägliche
Wasserverbrauch pro Kopf 350 Liter und in Europa verbraucht ein Mensch
durchschnittlich 200 Liter Wasser am Tag. Die Menschen in der Subsahara-Region
hingegen müssen zum Großteil ihren täglichen Grundbedarf (Trinken,
Essen, Waschen) mit 10 bis 20 Liter decken.
Auch der Wasserverbrauch variiert somit regional beträchtlich und hängt
entscheidend von dem Lebensstil, dem Entwicklungsstand und den
Ernährungsgewohnheiten in den jeweiligen Regionen ab. Aber wofür genau (ver)braucht
der Mensch all das Wasser?
Wasserverbrauch …
Das für den menschlichen Verbrauch benötigte Wasser umfasst den
unmittelbaren menschlichen Genuss von Trinkwasser, den Bedarf zum
alltäglichen Leben für Essen, Hygiene etc. (Wasserverbrauch im Haushalt)
sowie den für die Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung
erforderlichen Bedarf. Der Wasserverbrauch ist daher nicht nur ein Maß
für die direkt nachgefragte Wassermenge, sondern auch für die Entsorgung.
Außerdem befindet sich in den von uns konsumierten Produkten eine Menge
„verstecktes“ Wasser – Wasser, das für die Produktion von Lebensmitteln
benötigt wird und im internationalen Warenverkehr auch „virtuelles
Wasser“ genannt wird.
… in der Landwirtschaft
Das meiste Wasser – insgesamt 70 Prozent des weltweit verfügbaren
Wassers – wird in der Landwirtschaft verbraucht. Rund 250 Millionen
Hektar Ackerfläche werden damit bewässert. Das sind nur 17 Prozent des
gesamten Ackerlandes, aber mehr als ein Drittel der weltweiten Ernte
wird darauf gewonnen. In zwei von drei Ländern entfällt der größte
Wasserverbrauch auf die Landwirtschaft. Besonders hoch ist der Verbrauch
in Trockengebieten wie dem Nahen Osten, Nordafrika und dem Südwesten der
USA, wo fast das ganze Jahr über künstlich bewässert werden muss. Auch
Staaten wie Pakistan, Indien, Indonesien und China sind vom
Bewässerungsfeldbau abhängig; sie erwirtschaften damit mehr als die
Hälfte ihrer Nahrungsmittelproduktion. Um die wachsende Bevölkerungszahl
zu ernähren, müssen immer mehr Anbauflächen erschlossen und bewässert
werden. Auch der Wasserverbrauch für die Viehzucht ist in den letzten
Jahren gestiegen.
Die nachfolgende Tabelle listet beispielhaft den Wasserbedarf pro
Einheit für wichtige Nahrungsmittelerzeugnisse auf.
Wasserbedarf für die Erzeugung von Nahrungsmitteln (pro Einheit)
|
Erzeugnis |
Einheit |
Wasserbedarf in m³ |
|
Rinder |
Tier |
4.000 |
|
Schafe und Ziegen |
Tier |
500 |
|
Rindfleisch, frisch |
Kilogramm |
15 |
|
Schaf-/Lammfleisch, frisch |
Kilogramm |
10 |
|
Geflügelfleisch, frisch |
Kilogramm |
6 |
|
Getreide |
Kilogramm |
1,5 |
|
Zitronen und Orangen |
Kilogramm |
1 |
|
Hülsen-, Wurzel-, und Knollenfrüchte |
Kilogramm |
1 |
… in der Industrie und in der
Energiewirtschaft
22 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs entfallen auf die Industrie
und die Energiewirtschaft. Dieser Anteil variiert entsprechend der
jeweiligen Wirtschaftsstruktur und korreliert mit Einkommen und
Wohlstand. Er reicht von 10 Prozent in Ländern mit niedrigem und
mittlerem Einkommen bis zu 59 Prozent in Ländern mit hohem Einkommen. In
Europa wird über die Hälfte des verfügbaren Wassers in der Industrie und
für die Energieerzeugung verbraucht.
Die Industrie verwendet Wasser zur Kühlung, zur Verarbeitung, zur
Reinigung und zur Abfallbeseitigung. Nachfolgend finden Sie eine
Übersicht zum Wasserverbrauch für die Herstellung einiger Produkte:
|
|
3 Liter |
|
1 kg PVC |
550 Liter |
|
1 kg gefärbtes Garn |
2.500 Liter |
|
1 Baumwoll-Jeans |
8.000 Liter |
|
1 Baumwoll-T-Shirt |
4.000 Liter |
|
1 t Stahl |
20.000 Liter |
|
1 PC |
30.000 Liter |
|
1 t Benzin |
70.000 Liter |
|
1 t Zellstoff |
550.000 Liter |
|
1 t Papier |
500.000 bis 1.500.000 Liter |
|
1 Auto |
100.000 bis 380.000 Liter |
Für die Energieerzeugung ist Wasser in
vielen Gebieten wichtig, vor allem für die Erzeugung von Strom aus
Wasserkraft und für den Einsatz für Kühlzwecke in Wärmekraftwerken.
Atom- und Fossilbrennstoff-Kraftwerke sind die größten industriellen
Einzelverbraucher; sie verwenden unglaubliche Wassermengen zur Kühlung.
Zwar wird der größte Teil des industriell genutzten Wassers in den
Wasserkreislauf zurückgeführt, doch dann ist es oft mit Chemikalien und
Schwermetallen verseucht oder so stark erwärmt, dass die Ökosysteme des
Wassers leiden.
… im Haushalt
Der Wasserverbrauch in Privathaushalten, in Einrichtungen wie
Gaststätten und Krankenhäusern macht den kleinsten Teil des weltweiten
Wasserverbrauchs aus. Im Durchschnitt beträgt er acht Prozent. Dass
dieser Anteil ungleich verteilt ist, braucht eigentlich nicht noch
einmal erwähnt zu werden. Dennoch tue ich es und ziehe zur
Veranschaulichung wieder ein paar Zahlenbeispiele heran:
In Südkalifornien mit seinen riesigen Gartenanlagen, Swimmingpools und
Golfplätzen liegt der Tagesverbrauch bei 3.000 Litern pro Kopf. 50 Liter
ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO -
http://www.who.int/en)
der minimale Tagesbedarf eines Menschen, damit er ein einigermaßen
würdiges Leben führen kann.
Diese Menge steht längst nicht allen Menschen zur Verfügung; 1,1
Milliarden weltweit haben nicht einmal 20 Liter Wasser pro Tag. In
vielen Regionen Indiens müssen die für die tägliche Wasserbeschaffung
zuständigen Frauen bis zu zwölf Kilometer zurücklegen, um (hoffentlich)
mit ein paar gefüllten Gefäßen mit Brunnenwasser auf dem Kopf in ihre
Dörfer zurückkehren zu können. In unseren Breiten hingegen sind wir
mehrheitlich an scheinbar unbegrenzt fließendes Wasser aus dem
Wasserhahn in nächster Reichweite gewöhnt und verbrauchen mit einer
einzigen Toilettenspülung dieselbe Menge Wasser, die mancherorts einer
ganzen Familie das tägliche Überleben sichert. Die folgende
Gegenüberstellung von einem durchschnittlichen österreichischen und
indischen Haushaltswasserverbrauch verdeutlicht, wo Einsparpotentiale
liegen:
|
Vom österreichischen
Haushaltswasserverbrauch von täglich 150 l
Wasser pro Person
entfallen auf: |
Vom indischen
Haushaltswasserverbrauch von täglich 25 l
Wasser pro Person
entfallen auf: |
|
Toilettenspülung |
48 Liter |
Toilettenspülung |
0,25 Liter |
|
Baden, Duschen
|
43 Liter |
Baden, Duschen
|
8 Liter |
|
Wäschewaschen
|
18 Liter |
Wäschewaschen
|
0 Liter |
|
Körperpflege
|
9 Liter |
Körperpflege
|
0 Liter |
|
Geschirrspülen
|
6 Liter |
Geschirrspülen
|
9 Liter |
|
Gartenbewässerung |
6 Liter |
Gartenbewässerung |
0 Liter |
|
Trinken, Kochen
|
3 Liter |
Trinken, Kochen
|
3,75 Liter |
|
Autowaschen
|
3 Liter |
Autowaschen
|
0 Liter |
|
Sonstiges |
14 Liter |
Sonstiges |
4 Liter |
|
Summe
|
150 Liter |
Summe
|
25 Liter |
Ursachen und Folgen von Wasserknappheit
Weltweit betrachtet wächst die Nachfrage nach Wasser doppelt so schnell
wie die Bevölkerung. Bis zum Jahr 2035 werden laut einer Schätzung der
Vereinten Nationen mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern
leben, in denen chronische Wasserknappheit herrscht. Neben der
unabänderlichen Tatsache, dass Wasser eine begrenzte und regional
ungleich verteilte Ressource ist, die Anzahl der auf dieser Erde
lebenden Menschen und dementsprechend der Verbrauch wächst, gibt es eine
Reihe weiterer Ursachen für die Wasserkrise, denen entgegengewirkt
werden kann. Dazu gehören:
Wasserverschwendung durch
• ineffektive Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft
• rückständige Produktionsweisen in der Industrie
• lecke Leitungen
• Freizeit- und Tourismusbedarf
Wasserverschmutzung durch
• fehlende Abwasserentsorgung
• Pestizide aus der Landwirtschaft
• Industrieabwässer
• eindringendes Salzwasser durch Grundwasserentnahme
Schädigungen des Ökosystems durch
• Abholzung, Bodenerosion, Bodenversiegelung
• Klimawandel
Diese Ursachen sind vielfältig und stehen in einem komplexen
Zusammenhang mit menschlichen Lebensweisen, insbesondere mit dem
Konsumverhalten in modernen Gesellschaften, das es im Hinblick auf
die verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen zu überdenken
gilt (siehe
D@dalos Online-Lehrbuch zum Thema Nachhaltigkeit).
Von den Folgen der Wasserknappheit sind in erster Linie arme
Bevölkerungsschichten betroffen, denen die Mittel fehlen, um sich Zugang
zu sauberem Wasser zu verschaffen. Für die Menschheit ist Armut
sowohl ein Symptom als auch eine Ursache der Wasserkrise, deren Ausmaße
ich hier noch einmal zusammenfasse:
-
Mit Wassermangel einher gehen fast 80%
aller Krankheiten in den Entwicklungsländern. Fehlende oder
schlechte Infrastruktur für die Wasserversorgung (z.B. keine Brunnen
oder kaputte Leitungen) und zur Wasseraufbereitung (z.B. keine
Kläranlagen) kostet jährlich zwölf Millionen Menschen das Leben und
verursacht eine extrem hohe Kindersterblichkeit.
-
Aufgrund fehlenden Wassers entstehen
erhebliche Ernährungsprobleme.
-
Wassermangel ist ein Auslöser für
Landflucht und das sprunghafte Anwachsen der Metropolen. Weltweit
gibt es ca. 25 Millionen Wasserflüchtlinge.
-
Wassermangel ist eine Ursache bedrohlicher
zwischenstaatlicher und innerstaatlicher Konflikte.
-
Wassermangel motiviert Raubbau an
der Natur und die Zerstörung natürlicher Ressourcen.
-
Wasserverfügbarkeit wird zum Instrument
der Macht und der Unterdrückung.
Die Beseitigung der Armut, die Veränderung
nicht nachhaltiger Konsumgewohnheiten und Produktionsweisen sowie der
Schutz der natürlichen Ressourcen vor Übernutzung und Verschmutzung sind
wesentliche Voraussetzungen zur Lösung der Wasserkrise, die uns – wenn
auch nicht im selben Ausmaß - alle betrifft. Die Bewusstseinsbildung
darüber gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Bildung für nachhaltige
Entwicklung. Wasser ist ein gemeinsames Gut der Menschheit, das in
Achtung vor den künftigen Generationen zu erhalten ist. Inhalt einer
Bildung für nachhaltige Entwicklung sollte deshalb auch sein, den Zugang
zu Wasser als ein Menschenrecht zu vermitteln.
Das Menschenrecht auf Wasser
Der griechische Philosoph Plato sagte vor fast 2.500 Jahren: „Das Wasser
ist die nötigste Sache zum Unterhalt des Lebens, und gerade diese ist
leicht zu verderben. Daher bedarf es eines schützenden Gesetzes.“ Seine
Aussage hat an Aktualität nichts eingebüßt. Die heutigen Prozesse der
Verknappung und der Kommerzialisierung des Wassers haben zur Folge, dass
der Zugang zahlreicher Menschen zu Wasser eingeschränkt wird, wenn sie
nicht bezahlen können.
Das ist auch in Europa der Fall, so zum Beispiel in Großbritannien, wo
die Wasserpreise im Zuge der Privatisierung der Wasserversorgung und
Abwasserentsorgung seit den 1980er Jahren immer weiter steigen. Dies hat
vermehrt zu Forderungen sozialer Bewegungen geführt, das Recht auf
Wasser als Menschenrecht anzuerkennen und den Grundbedarf an Wasser, den
Zugang zu sauberem Trinkwasser und seine gerechte Verteilung
sicherzustellen.
Das Recht auf Wasser ist in den ersten Menschenrechtserklärungen nicht
spezifisch erwähnt; so wird es in der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 nur auf indirekte
Weise anerkannt – als Konsequenz von Art. 25: „Jeder Mensch hat das
Recht auf einen Lebensstandard angemessen für Gesundheit und Wohlfahrt...“.
1976 traten in Ergänzung dazu die beiden Pakte über bürgerliche und
politische Rechte (Zivilpakt) sowie über wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Rechte (Sozialpakt) in Kraft (siehe
D@dalos Online-Lehrbuch zum Thema Menschenrechte).
Diese Rechte wurden in den 1990er Jahren weltweit aufgewertet, zum
Beispiel durch die kritische Begutachtung der von den Staaten alle fünf
Jahre abzuliefernden Menschenrechtsberichte, worin auch dem Recht auf
Wasser mehr Beachtung geschenkt wurde. Ein wichtiger Schritt war die
Ernennung eines Sonderberichterstatters zum Recht auf Wasser durch die
UN-Menschenrechtsunterkommission im Jahr 2001.
Bahnbrechend für die offizielle Bestätigung des Menschenrechts auf
Wasser durch die Vereinten Nationen ist allerdings der „Allgemeine
Kommentar 15 zum Recht auf Wasser” vom November 2002, der vom UN-Ausschuss
über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte verabschiedet
wurde.
Ausgehend davon, dass ohne angemessene Wasserversorgung physisches
Überleben und ein Leben in Gesundheit nicht möglich sind, sieht der
Ausschuss das Recht auf Wasser vor allem in Artikel 11 des Sozialpakts
(„Recht auf einen angemessenen Lebensstandard“) begründet. Dem Komitee
zufolge berechtigt das Menschenrecht auf Wasser daher jede Person zu „ausreichendem,
sicherem, annehmbarem, physisch zugänglichem und bezahlbarem Wasser für
den persönlichen und häuslichen Gebrauch“. Darunter fällt vor allem
Wasser zum Trinken, Kochen und für die persönliche und häusliche
Hygiene.
Konkret heißt das: Wasser sollte …
-
… in „ausreichender“ Menge verfügbar sein.
Eine genaue Menge ist nicht vorgegeben. Allerdings kann man davon
ausgehen, dass mindestens 20 Liter pro Tag und Person notwendig
sind, um dauerhaft vor Mangelerscheinungen und lebensgefährlichen
Krankheiten geschützt zu sein.
-
… nicht zu weit entfernt und ohne Gefahr
für Körper und Leben erreichbar sein („physisch zugänglich“). Auch hier
kann man nicht eindeutig festlegen, wie lang der Weg zur Wasserquelle
maximal sein sollte. Allerdings zeigen Untersuchungen, dass bei einem
Weg, der länger als eine halbe Stunde dauert, kaum noch
ausreichend Wasser nach Hause geschafft werden kann. In der Definition
des „Zugangs zu Trinkwasser“ geht man von einem Kilometer als maximal
zumutbare Distanz aus.
-
… eine Qualität aufweisen, die nicht die
Gesundheit gefährdet („sicher“), und auch in Bezug auf Geruch,
Aussehen usw. sollte es akzeptabel sein („annehmbar“).
-
… „bezahlbar“ sein, also nicht so
teuer sein, dass die notwendige Menge gar nicht oder nur auf Kosten
anderer lebensnotwendiger Dinge, wie Nahrung, Wohnung, Kleidung, etc.,
erworben werden kann.
Kommentare sind Auslegungen der
Internationalen Menschenrechtsvereinbarungen, die zwar keinen
offiziellen Rechtsstatus haben, aber sehr einflussreich für die
Interpretation der Pakte sind. In den Auseinandersetzungen um die
Wasserversorgung der Armen und der zukünftigen Generationen ist der
Kommentar ein wichtiger Bezugspunkt. So zum Beispiel verurteilte ein
Gericht im argentinischen Cordoba die Stadt und die Provinz unter
anderem wegen Verletzung des Menschenrechts auf Wasser mit Verweis auf
den Pakt. Sie wurden verpflichtet, den Klägern aus den betroffenen
Stadtteilen so lange kostenlos Wasser zu liefern, bis das Problem
behoben wird. Als Ergebnis des Urteils haben die Zuständigen bei der
Stadt und der Provinz damit begonnen, das Abwasser- und
Wasserversorgungssystem zu verbessern und auszuweiten.
Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Rechtsdokumente sind, um im Fall von
Verletzungen des Rechts auf Wasser Druck auf Regierungen ausüben zu
können. Allerdings gehört das Recht auf Wasser bislang nicht zu den
verbindlichen Verpflichtungen eines Staates, da es kein expliziter
Bestandteil völkerrechtlicher Verträge ist. Der weitreichendste
Vorschlag wäre diesbezüglich eine internationale Konvention zum Recht
auf Wasser. Eine solche Konvention würde detaillierte Standards zum
Recht auf Wasser in das internationale Recht einführen, die über den
Allgemeinen Kommentar noch hinausgehen und außerdem rechtlich bindend
sind.
Die Forderung nach der Anerkennung des Menschenrechts auf Wasser findet
international eine immer breitere Unterstützung. Während Millionen von
Menschen um den Zugang zu Wasser und somit um ihr Überleben kämpfen
müssen, haben staatliche und nichtstaatliche Organisationen dieser
Situation den Kampf angesagt. Auch dies ist in Anbetracht
widerstreitender politischer und ökonomischer Interessen ein harter
Kampf!
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im web
Linkliste zum Thema
Wasser
Kampagnen, Berichte und
Maßnahmen auf internationaler Ebene
http://www.un.org/waterforlifedecade/
Offizielle Website zur Dekade „Wasser für Leben“, die am
22. März 2005 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde und in ihren
fünf Amtssprachen (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch und
Spanisch) Informationen bereitstellt.
http://www.unwater.org/
Englischsprachige Homepage von UN-Water, ein Mechanismus
innerhalb der Vereinten Nationen, der 2003 - nach dem Weltgipfel für
nachhaltige Entwicklung in Johannesburg - eingerichtet wurde. Sein Zweck
ist die Unterstützung von Staaten bei der Erreichung der
Millennium-Entwicklungsziele im Wasserbereich bis 2015.
http://www.worldwaterday.org
Hier finden Sie Informationen zum Weltwassertag am 22. März in
den Sprachen Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch. Außerdem
gibt es viele Links zu anderen Informationsangeboten zum Thema Wasser.
http://www.wateryear2003.org/
Offizielle Website der UNESCO zum Jahr des Süßwassers 2003
in englischer, französischer und spanischer Sprache.
http://www.iydd2006.org/
Offizielle Website der UNESCO zum Internationalen Jahr der
Wüsten und der Wüstenbildung 2006 in englischer, französischer und
spanischer Sprache.
http://www.unesco.org/water/wwap/wwdr1/
Auf dieser Website der UNESCO gibt es ausführliche Informationen
zum ersten Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen „ Wasser
ist Leben“ aus dem Jahr 2003 in englischer, französischer und spanischer
Sprache. Die Vollversion des Berichts ist in allen fünf Amtssprachen der
VN als pdf-Datei verfügbar.
http://www.unesco.org/water/wwap/wwdr2/
Auf dieser Website der UNESCO gibt es ausführliche Informationen
zum zweiten Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen „Wasser
– eine gemeinsame Verantwortung“ aus dem Jahr 2006 in englischer,
französischer und spanischer Sprache. Auch der Bericht selbst kann in
diesen Sprachen als pdf-Datei heruntergeladen werden; Übersetzungen in
weitere Sprachen sollen folgen.
http://assets.panda.org/downloads/rich_countries_poor_water_final_170706.pdf
Hier finden Sie den aktuellen, englischsprachigen Bericht der
Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) mit dem Titel „Rich
Countries – Poor Water“.
http://www.iucnredlist.org
Homepage der Internationalen Naturschutzunion (International
Union for Conservation of Nature and Natural Resources), die alle zwei
Jahre die Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten
veröffentlicht.
http://www.helvetas.ch
Homepage der Schweizer Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in
deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache. Helvetas
hat einen Arbeitsschwerpunkt zum Thema Wasser.
http://www.menschen-recht-wasser.de
MenschenRechtWasser ist eine Kampagne der deutschen
Nichtregierungsorganisation Brot für die Welt. Viele Informationen der
umfangreichen Website sind in
deutscher, englischer und
spanischer Sprache verfügbar, so zum Beispiel der Allgemeine Kommentar
zum Recht auf Wasser.
Didaktische Materialien zum Thema Wasser
http://ga.water.usgs.gov/edu/watercycle.html
Diagramm des Wasserkreislaufs in 33 Sprachen (u.a. Albanisch,
Bulgarisch, Kroatisch, Mazedonisch, Serbisch, Slowenisch, Rumänisch);
zum Teil mit erklärendem Text.
http://www.wasser2003bildung.ch/
Umfangreiche Website in deutscher, französischer und
italienischer Sprache mit Unterrichtsmaterialien.
http://www.visumsurf.ch/wasser2003/
Wissensquiz zum Jahr des Wassers 2003 in deutscher, englischer
und französischer Sprache.
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