|

Suedosteuropa EDC Newsletter
___________________________________
Ausgabe Nr.
4, September 2005
Vorwort der Herausgeberin
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zu Beginn des neuen Schuljahres möchte ich Ihnen ein Themenheft
anbieten, das sich mit einem topaktuellen und außerordentlich wichtigen
Inhalt unserer Bildungsarbeit beschäftigt: Bildung für nachhaltige
Entwicklung. Sie wissen bestimmt, dass 2005 die Dekade der Vereinten
Nationen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beginnt. Sie geht bis
2014, und wir können nur hoffen, dass sich so viele Menschen wie möglich
auf der ganzen Welt beteiligen und ihren Beitrag leisten.
Die UNESCO ist die internationale Koordinationsstelle für diese
Dekade. Deshalb wird sie dieses Mal als
Organisation vorgestellt. |

 |
Bei aller
berechtigten Kritik an den großen, teuren und oft schwerfälligen
Bürokratien der zwischenstaatlichen Organisationen wie UNESCO, die jedes
Jahr viele hundert Millionen Euro unserer Steuergelder verschlingen,
erfüllt es mich persönlich doch immer wieder mit großer Freude, dass die
internationale Staatengemeinschaft viel Geld ausgibt und politische
Kraft einsetzt, um gemeinsam für eine bessere Welt zu arbeiten! Deshalb
lohnt es sich, einen Blick auf die größte internationale Organisation in
den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur zu werfen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start nach der Sommerpause und hoffe, dass
Sie in diesem Newsletter viele Anregungen für Ihre Arbeit finden.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Ingrid Halbritter
INHALT
wir stellen vor: UNESCO
Für die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur ist die UNESCO die
wichtigste internationale Organisation. Sie ist mit der Koordinierung
der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2005–2014
beauftragt.
zum beispiel … Die UN-Dekade „Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ 2005-2014
Die jüngste Dekade der Vereinten Nationen hat Anfang 2005 begonnen.
Hintergrund, Ziele und Umsetzung am Beispiel von Deutschland beschreibt
Alexander Leicht von der Deutschen UNESCO-Kommission.
im web: Das neue Online-Lehrbuch
über Bildung für nachhaltige Entwicklung auf dem D@dalos Bildungsserver
www.dadalos.org
D@dalos hat als ersten Beitrag zur UN-Dekade ein neues Online-Lehrbuch
entwickelt, das Lehrer und Multiplikatoren mit Hintergrundinformation
versorgt und praktische Beispiele nennt, wie jeder einzelne zu einer
nachhaltigen Entwicklung beitragen kann.
impressum
_________________________________________________
wir stellen vor:
UNESCO – die
Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und
Kultur (www.unesco.org)
Ingrid Halbritter
Die UNESCO ist die größte intergouvernementale Organisation, die sich
weltweit auf den Gebieten Erziehung, Wissenschaft und Kultur engagiert.
Sie gehört als Sonderorganisation zur großen Familie der Vereinten
Nationen. „Intergouvernemental“ heißt: sie wurde auf die Initiative von
Staaten geschaffen, und Staaten sind auch ihre Mitglieder. Die UNESCO
hat heute 191 Mitgliedsstaaten, die sich auch die Kosten teilen. Das
reguläre Budget für 2004 und 2005 beträgt etwas mehr als 600 Millionen
US-Dollar. Dazu kommen noch zusätzliche Mittel für bestimmte Projekte.
Ihr Hauptsitz ist in Paris, weltweit gibt es über 50 Büros und natürlich
unzählige Projekte.
Einen kompletten Überblick über diese gigantische Organisation zu geben,
ist in diesem Rahmen unmöglich. Ich möchte Sie aber ein wenig an die
UNESCO heranführen, Ihnen einen Türspalt öffnen und einen Blick erlauben
und vielleicht auch Zutritt verschaffen zu einer Welt, die – obwohl
fremd und weit weg - unsere grundlegenden Ziele und Werte teilt und für
unsere Arbeit, die Demokratie-Bildung, durchaus von praktischem Nutzen
sein kann. UNESCO ist in Südosteuropa präsent, wenn auch nicht in
gewünschtem Maße. Ich möchte Ihnen also nachfolgend kurz erklären, für
was die UNESCO steht, und an ein paar konkreten Beispielen aufzeigen, in
welchen Kernbereichen sie tätig wird, wie die Organisation arbeitet und
wie Sie mit UNESCO in Kontakt treten können.
UNESCO – eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen
Im Unterschied zu den Spezialorganen der Vereinten Nationen (z.B. UNICEF
und UNHCR) ist die UNESCO eine Sonderorganisation mit einer eigenen
Rechtsnatur und eigenem Budget. Es besteht aber eine vertragliche
Bindung an die Vereinten Nationen.
Die Geschichte der UNESCO begann bereits während des Zweiten Weltkriegs
1942, als sich die Bildungsminister der Alliierten trafen und sich
darüber austauschten, wie sie ihre Bildungssysteme nach Kriegsende
wieder aufbauen wollten. Im November 1945, also kurz nach Kriegsende,
beschlossen 37 Länder die Gründung der UNESCO. Diese neue Organisation
sollte vor allem zur Förderung einer Kultur des Friedens beitragen. Nach
und nach kamen neue Mitgliedstaaten hinzu. Heute sind es 191, das sind
alle Mitglieder der Vereinten Nationen.
Die Besonderheit dieser Organisation ist ihr demokratischer Aufbau: in
allen Mitgliedstaaten gibt es so genannte Nationale Kommissionen. Ihre
Vertreter kommen alle zwei Jahre zur Generalversammlung in Paris
zusammen und sie sind es, die die wichtigsten Entscheidungen treffen
nach dem Prinzip „ein Land – eine Stimme“.
Sie können im Internet unter
http://erc.unesco.org/cp/nclist_portal.asp?language=E die
vollständigen Kontaktdaten aller Nationalen Kommissionen finden. Sie
haben in der Regel eigene Büros, Personal, eigene Budgets und führen
Projekte im jeweiligen Land durch. Sicher lohnt es sich, wenn Sie sich
über die Aktivitäten in Ihrem Land informieren oder zumindest einmal die
Internetseite besuchen, die Sie ebenfalls bei den Kontaktdaten finden.
Was will die UNESCO erreichen?
In der Präambel ihrer Verfassung steht: „Da Kriege im Geist der Menschen
entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden."
Und in Artikel 1 der Verfassung heißt es: "Ziel der UNESCO ist es, durch
Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung,
Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit
beizutragen, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und
Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken,
die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts,
der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen
bestätigt worden sind." Ihr Ziel ist also Vertrauensbildung durch
friedliche Zusammenarbeit.
Aufgabenbereiche
Es gibt vier große Bereiche, in denen die UNESCO tätig wird: Bildung,
Wissenschaft, Kultur sowie Kommunikation und Information.
Im Bereich Kultur werden zum Beispiel Natur- und Baudenkmäler
geschützt, erhalten und wiederaufgebaut. So hat die UNESCO zum
Wiederaufbau der alten Brücke in Mostar beigetragen. Sie finden im
Internet eine vollständige Liste des so genannten Weltkulturerbes:
http://whc.unesco.org/en/list/. Jedes einzelne Denkmal ist kurz
beschrieben, allerdings nur in den UNESCO-Sprachen Englisch, Französisch
und Spanisch. Insofern ist die offizielle Webseite, die eine
unüberschaubare Fülle von Informationen anbietet, leider nur für eine
Minderheit der Menschen in den 191 Mitgliedstaaten nutzbar.
Im Bereich der Naturwissenschaften engagiert sich UNESCO
beispielsweise für eine effiziente Nutzung der wichtigsten natürlichen
Ressource für uns Menschen: Trinkwasser! Unter dem Link
http://www.unesco.org/water/ finden Sie ein eigenes Portal zum Thema
Wasser, leider auch wieder nur in den oben genannten Fremdsprachen. Ihre
Nationalkommission hat jedoch vielleicht Informationen in Ihrer
Landessprache.
Die Sozialwissenschaften sind ein weiterer Schwerpunkt. Hier geht
es um die Frage: Wie kann man in Gesellschaften etwas ändern, damit
unsere hochgesteckten Ideale und Ziele auch konkrete Veränderungen und
Verbesserungen zeitigen? Die Aufgaben werden auf der eigenen Website
kurz und prägnant so formuliert:
- festlegen, was sein sollte (Ethik und Menschenrechte);
- antizipieren, was sein könnte (Philosophie);
- betrachten, was ist (empirische sozialwissenschaftliche Studien).
Der vierte Bereich - Kommunikation und Information - kümmert sich
in erster Linie darum, dass – mit Hilfe von Massenmedien und den neuen
Medien wie z.B. dem Internet – Informationen auf der ganzen Welt besser
zugänglich werden. Computer und Internetzugang für Bildungseinrichtungen
zur Verfügung stellen, wäre ein typisches Projekt in diesem Bereich.
Hier der direkte Link zur entsprechenden Website:
http://portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=1657&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
Bildung – die wichtigste Aufgabe!
Bildung ist der wichtigste Bereich der UNESCO. Der größte Teil des
Budgets wird für Programme ausgegeben, die Bildung in vielfältiger Weise
fördern und unterstützen.
Wenn Sie wissen möchten, welches Bildungskonzept den UNESCO-Programmen
zugrunde liegt, empfehle ich Ihnen unseren Bildungsserver
www.dadalos.org.
Dort haben wir für Sie das Konzept des lebenslangen Lernens
zusammengefasst, das auf vier Säulen ruht: 'Lernen, Wissen zu erwerben',
'Lernen, zu handeln', 'Lernen, zusammenzuleben', 'Lernen für das Leben'.
Wenn Sie unser Online-Lehrbuch Politikdidaktik besuchen, sehen Sie
gleich auf der Einstiegsseite einen Link „Bildung“. Wir stellen dort
ausführlich das Bildungskonzept vor, das auf dem so genannten „Delors-Bericht“
mit dem Titel „Lernfähigkeit, unser verborgener Reichtum“ beruht, der
von der UNESCO in Auftrag gegeben wurde und ein wichtiges
Referenzdokument ist.
In unserem Online-Lehrbuch „Friedenspädagogik“ finden Sie noch einen
Abschnitt zum gleichen Thema, allerdings mit dem Schwerpunkt „Lernen,
zusammenzuleben“. Zu diesem Abschnitt kommen Sie ebenfalls über die
Einstiegsseite und gehen dann zum Link „UNESCO“. Wie Sie wissen, sind
alle Materialien auf dem Bildungsserver in die Sprachen Südosteuropas
übersetzt.
Bildung für eine Kultur des Friedens
Der D@dalos-Bildungsserver
www.dadalos.org ist
von der UNESCO sehr breit und über mehrere Jahre hinweg finanziell
unterstützt worden und deshalb auch ein Beispiel, was die Organisation
in Südosteuropa konkret tut. Mit den Materialien zur Demokratie-Bildung
und Friedenserziehung, die dort zur Verfügung stehen, wird Bildung für
eine Kultur des Friedens gefördert.
Das Konzept und der Begriff „Kultur des Friedens“ wurde 1989 bei einem
internationalen Kongress zum Thema „Frieden im Geiste der Menschen“ in
Cote d´Ivoire formuliert. Der Kongress empfahl damals, dass die UNESCO
ein Konzept einer Kultur des Friedens entwickeln solle, das sich auf
universelle Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit,
Solidarität, Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung für Männer
und Frauen stützen solle.
1998 rief die Generalversammlung der Vereinten Nationen die „Internationale
Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die
Kinder dieser Welt 2001-2010“ aus und verabschiedete ein Jahr später
eine gemeinsame Erklärung und einen Aktionsplan. Die UNESCO wurde als
„lead agency“, also als führende internationale Koordinationsstelle
beauftragt. Auf dieser Website finden Sie Informationen zur Dekade:
http://portal.unesco.org/education/en/ev.php-URL_ID=24073&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
Die Vereinten Nationen definieren eine Kultur des Friedens als ein
Gefüge aus Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen, die Gewalt
ablehnen und Gewaltprävention anstreben, indem die Ursachen von Gewalt
an der Wurzel gepackt und Probleme durch Dialog und Verständigung gelöst
werden. Das Programm ruft jeden einzelnen auf, in diesem Sinne
Verantwortung zu übernehmen.
Der Aktionsplan besteht aus acht Bereichen, in denen konkrete Maßnahmen
getroffen werden sollen. Dazu gehören z.B. die Gleichberechtigung
zwischen Männern und Frauen und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, aber
auch Förderung demokratischer Teilnahme. Dies ist das übergeordnete und
wichtigste Ziel unseres Arbeitsbereiches, der Demokratiebildung!
Insofern tragen wir mit allem, was wir tun, zu dieser UN-Dekade bei, vor
allem aber zu einer Kultur des Friedens.
Bildung für alle!
Im Sommer 2004 finanzierte die UNESCO den Kauf eines Schulbusses für
eine kleine ländliche Gemeinde in Ostbosnien. Viele Kinder in diesem Ort
konnten sich die Monatskarte für den öffentlichen Bus in die etwa 25 km
entfernte Schule nicht leisten. Besonders die Mädchen mussten nach der
4. Klasse zuhause bleiben. Dies ist nur ein praktisches Beispiel dafür,
wie die UNESCO mit dem Programm „Bildung für alle“ Unterstützung leistet.
„Bildung für alle“ ist eines der wichtigsten Bildungsprogramme der
UNESCO. Es trägt zu den so genannten Milleniumszielen bei, zu deren
Erreichung im Jahr 2015 sich alle 191 Länder verpflichtet haben. Eines
der Ziele ist, dass bis 2015 alle Kinder dieser Welt zumindest zu einer
Grundbildung Zugang haben. Wer sich für die Milleniumsziele interessiert,
findet Informationen auf dieser mehrsprachigen Webseite:
http://www.un.org/millenniumgoals/
„Bildung für alle“ ist natürlich ein sehr ehrgeiziges Vorhaben,
besonders wenn man bedenkt, dass heute 115 Millionen Kinder nicht zur
Schule gehen können. Noch erschreckender finde ich die Zahl von 862
Millionen Menschen, die heute nicht lesen und schreiben können. Für
unseren Bereich – die Demokratie-Bildung – ist „Bildung für alle“
natürlich auch ein zentrales Anliegen, denn wer nicht lesen und
schreiben kann, kann kaum an der politischen Willensbildung teilnehmen
und wird leicht Opfer von Manipulation.
Wie können Sie mit der UNESCO zusammenarbeiten?
Ein Beispiel ist die Vergabe von Stipendien für Forschungsprojekte. Hier
finden Sie alle Informationen zum Antragsverfahren, das über Ihre
nationale Kommission laufen muss:
http://portal.unesco.org/en/ev.php-URL_ID=7972&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
Um Ihren Bildungsmaßnahmen einen angemessenen Rahmen und konkreten
Anlass zu geben, können Sie zum Beispiel die von den Vereinten Nationen
proklamierten „Internationalen Tage“ nutzen. Der 8. März ist Ihnen ja
bekannt: der Internationale Tag der Frau. Er wurde übrigens im Jahr 1909
von der sozialistischen Partei in Amerika eingeführt – damals allerdings
noch am 28. Februar gefeiert. Weniger bekannt ist zum Beispiel der
Internationale Tag für Folteropfer am 26. Juni. Sie finden eine
komplette Liste mit allen Internationalen Tagen im Rahmen des
UNESCO-Online-Angebots auf folgender Seite:
http://portal.unesco.org/en/ev.php-URL_ID=7588&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html.
Jeder Tag führt weiter zu Hintergrundinformationen, Pressemitteilungen
oder speziellen Websites.
Für Ihre Arbeit könnten auch die so genannten Assoziierten UNESCO-Schulen
wichtig sein, die es in fast allen Ländern der Welt und somit auch in
Ihrem Land gibt. Die UNESCO hat ein Netzwerk von 7662 Schulen in 175
Ländern, die auch als UNESCO-Projektschulen bezeichnet werden. Diese
Schulen engagieren sich mit konkreten Projekten besonders für die
Umsetzung der Ziele, denen sich UNESCO verschrieben hat, und sind in der
Regel offen für Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen. In
jedem Land gibt es einen Koordinator, der die Schulen betreut, die
Kontaktpersonen in den Schulen zu Konferenzen einlädt und Dreh- und
Angelpunkt ist zwischen UNESCO und dem Schulalltag. Auf folgender Seite
finden Sie eine Liste mit allen Koordinatoren in den einzelnen Ländern:
http://portal.unesco.org/education/en/ev.php-URL_ID=14706&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html.
Sollten Sie an der Arbeit von UNESCO Interesse haben, lohnt sich sicher
ein Kontakt mit ihnen.
Im Internet finden Sie – wie gesagt – leider nur Informationen auf
Englisch, Französisch oder Spanisch. Was die UNESCO in Ihrem Land genau
tut, welche Materialien es gibt und welche Unterstützung angeboten wird,
kann Ihnen am besten die Nationale Kommission in Ihrem Land sagen.
[zum Inhaltsverzeichnis]
_________________________________________________
zum beispiel ...
Nachhaltigkeit Lernen – die UN-Dekade
„Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“
Alexander Leicht
Eine internationale Bildungsinitiative
Wir alle wissen: Das industriegesellschaftliche Modell ist in seiner jetzigen
Form nicht zukunftsfähig. Wir verbrauchen unsere natürlichen Lebensressourcen
so gedankenlos, dass das Leben zukünftiger Generationen ernsthaft gefährdet
ist. Dazu kommt, dass die Chancen auf ein menschenwürdiges Leben auf der Welt
heute sehr unfair verteilt sind. Wir alle wissen dies spätestens seit der
Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro (http://www.un.org/geninfo/bp/enviro.html).
Aber wir handeln nicht entsprechend. Was wir deshalb benötigen, ist ein
umfassender Bewusstseinswandel – durch Bildung. Dies ist der Grundgedanke der
Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die dieses Jahr begonnen hat
und bis 2014 andauert. Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich
auf die Weltdekade in einer Resolution vom Dezember 2002 verpflichtet und
haben die UNESCO – die Weltorganisation für Bildung, Kultur, Wissenschaft und
Kommunikation – gebeten, die internationale Koordinierung zu übernehmen.
Vorgeschlagen wurde die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ vom
Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg (www.johannesburgsummit.org).
Als dort im Jahr 2002, also zehn Jahre nach der wichtigen Rio-Konferenz,
Vertreter von Regierungen und Zivilgesellschaft zusammenkamen, waren sie sich
in einem zentralen Punkt einig: Wenn wir Fortschritte in Richtung einer
dauerhaft lebensfähigen und gerechten Weltgesellschaft machen wollen, muss
Bildung für Nachhaltigkeit eine viel stärkere Rolle spielen als bisher.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die UN-Dekade möchte in den nächsten zehn Jahren Regierungen,
Bildungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, die Privatwirtschaft und
jeden Einzelnen dazu bringen, den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung in
alle Bereiche des Bildungswesens zu integrieren. Die Bedeutung von
nachhaltiger Entwicklung ist immer noch am besten in der Definition der so
genannten Brundtland-Kommission getroffen: „Tragfähige Entwicklung ist eine
Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Chancen
künftiger Generationen, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können, aufs
Spiel zu setzen.“ Dafür müssen die drei Entwicklungsdimensionen Wirtschaft,
Gesellschaft und Umwelt miteinander in Einklang gebracht werden. Die
wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft darf also nicht zum alleinigen
Ziel erklärt werden. Dies würde auf Kosten der natürlichen Ressourcen oder der
gesellschaftlichen Gerechtigkeit gehen.
Was heißt nun Bildung für nachhaltige Entwicklung? Wenn Menschen im
Sinne der Nachhaltigkeit gebildet werden sollen, müssen sie Kompetenzen lernen,
die es ihnen ermöglichen, die Zukunft aktiv und verantwortungsvoll zu
gestalten. In der Erziehungswissenschaft spricht man hier vom Erwerb von
Gestaltungskompetenz. Dazu gehören: Vorausschauendes, zukunftsorientiertes
Denken; lebendiges, komplexes, interdisziplinäres Wissen; autonomes Handeln;
Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. Es geht bei der
Bildung für nachhaltige Entwicklung also nicht etwa einfach um Sensibilität
gegenüber der Umwelt, wie manchmal vermutet wird. Es geht vielmehr darum,
Menschen ganz umfassend zu einem Handeln zu ermächtigen, das sich am Leitbild
einer zukunftsfähigen Entwicklung orientiert.
Dieses Bildungskonzept soll Eingang finden in Kindergärten, Schulen, die
berufliche Ausbildung, Universitäten, Forschungsinstitute, außerschulische
Weiterbildungseinrichtungen und auch das informelle Lernen außerhalb von
Bildungseinrichtungen. Bildung für nachhaltige Entwicklung soll durch das
internationale Projekt UN-Dekade aber auch zu einem integrativen
Bildungskonzept werden, mit dem sich all die Akteure identifizieren können,
die Anliegen der Nachhaltigkeit bisher noch getrennt voneinander verfolgt
haben. Das betrifft etwa die Umweltbildung, die entwicklungspolitische Bildung
oder die Verbraucherbildung. Wenn sich diese Fraktionen enger verbünden, wird
auch das politische Gewicht der Bildung für nachhaltige Entwicklung zunehmen.
In diesem Sinne kann die UN-Dekade auch dazu beitragen, Themen und Akteure an
der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu beteiligen, die bisher
fälschlicherweise nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. So wird zum
Beispiel immer deutlicher, dass der Bereich Katastrophenvorsorge und
Risikoforschung für eine nachhaltige Entwicklung zentral sind. Ähnliches gilt
für den Schutz der kulturellen Vielfalt, die durch die Liberalisierung der
Weltmärkte bedroht ist.
Wie wird die UN-Dekade umgesetzt? Deutschland als Praxisbeispiel
Bildung für nachhaltige Entwicklung kann in Deutschland auf eine lebhafte
Tradition zurückblicken. Außerdem sind wir in Deutschland derzeit in der
glücklichen Lage, dass die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
große Unterstützung der Politik genießt. Am 1. Juli 2004 haben alle Parteien
des Deutschen Bundestages einstimmig die Bundesregierung aufgefordert, die UN-Dekade
zu unterstützen und einen Aktionsplan zur Dekade zu erarbeiten. Laut dem
Bundestagsbeschluss solle die Deutsche UNESCO-Kommission eine koordinierende
Funktion bei der Umsetzung in Deutschland übernehmen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung kann nicht ‚von oben’ verordnet werden.
Wie in dem bekannten Slogan ‚global denken – lokal handeln’ deutlich wird, ist
Dezentralität geradezu eines der grundlegenden Prinzipien der Nachhaltigkeit.
Nur unter Beteiligung möglichst vieler unterschiedlicher Akteure kann die UN-Dekade
sinnvoll realisiert werden. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat daher mit
Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine
Organisationsstruktur etabliert, die möglichst viele Akteure auf eine
effiziente Art einbinden, möglichst viel Sachverstand bündeln und öffentliche
Wirkung herstellen soll.
Das zentrale Steuerungsgremium für die UN-Dekade in Deutschland ist das von
der Deutschen UNESCO-Kommission berufene Nationalkomitee. Es bringt
dreißig Experten und Institutionen zusammen und möchte das ganze Spektrum der
Nachhaltigkeit repräsentieren: Mitglieder sind Bundesministerien wie das
Bildungs-, das Entwicklungs- und das Umweltministerium, Vertreter des
Parlaments, der Bundesländer, von Nichtregierungsorganisationen, aus den
Medien und der Privatwirtschaft. Diese breite Zusammensetzung stellt sicher,
dass programmatische und organisatorische Entscheidungen zur Umsetzung der
Dekade auf einem möglichst breiten Konsens ruhen. Vorsitzender des Gremiums
ist der renommierte deutsche Experte für Bildung für nachhaltige Entwicklung,
der Erziehungswissenschaftler Gerhard de Haan von der Freien Universität
Berlin. Um den Kreis der beteiligten Akteure noch zu erweitern, hat das
Nationalkomitee zu einem Runden Tisch UN-Dekade eingeladen und dort 100
weitere Initiativen versammelt.
Was wollen wir im Laufe der Dekade erreichen? Diese Frage beantwortet der „Nationale
Aktionsplan für Deutschland der UN-Dekade ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung’“,
den Nationalkomitee und Runder Tisch erarbeitet haben. Er wurde im Januar 2005
einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Der Aktionsplan nennt vier Ziele, an
denen sich die Aktivitäten zur Dekade in Deutschland orientieren werden: 1.
Weiterentwicklung und Bündelung der Aktivitäten sowie Transfer guter Praxis in
die Breite; 2. Vernetzung der Akteure der Bildung für nachhaltige Entwicklung;
3. Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung von Bildung für nachhaltige
Entwicklung; 4. Verstärkung internationaler Kooperationen. (Der
Aktionsplan ist auch auf Englisch einzusehen unter
www.dekade.org).
Diese Ziele sind, wie das bei einem auf Konsens angelegten Dokument häufig der
Fall ist, noch sehr allgemein. Um die beteiligten Akteure zu möglichst
konkreten Maßnahmen anzuregen, wird das politische Dokument durch einen so
genannten Maßnahmenkatalog ergänzt. Der Maßnahmenkatalog listet auf,
was welcher Akteur innerhalb welchen Zeitrahmens zu den vier Zielen beitragen
kann. Er nennt Indikatoren und ermöglicht damit eine ernsthafte Evaluation der
Fortschritte. Der Maßnahmenkatalog soll während der ganzen Dekade weiter
aufgefüllt werden. Im Moment enthält er bereits über 60 sehr konkrete
Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, dass das Bildungssystem in Richtung
Nachhaltigkeit umsteuert.
Zum Beispiel: Das Bildungsministerium plant, innerhalb des nächsten Jahres ein
zentrales Internetportal zur Bildung für nachhaltige Entwicklung einzurichten.
Die Bundeszentrale für politische Bildung will in ihren Angeboten
Nachhaltigkeit als Querschnittsthema verankern. Das Programm Transfer 21
möchte innerhalb von drei Jahren spezielle Unterrichtsmaterialen zur Bildung
für nachhaltige Entwicklung sowie entsprechende Fortbildungsmaßnahmen für
Lehrer an 10% aller deutschen Schulen verankern. Die Bundesländer erarbeiten
ein Modellcurriculum zur entwicklungspolitischen Bildung an Schulen.
Neben dieser bildungspolitischen Ebene ist die UN-Dekade in Deutschland auch
noch auf eine weitere Art aktiv. Einzelne Projekte, die vor Ort Bildung für
nachhaltige Entwicklung innovativ umsetzen, haben die Möglichkeit, sich beim
Nationalkomitee als offizielles deutsches Projekt der UN-Dekade
anerkennen zu lassen. Für zwei Jahre können die Projekte das Logo der Dekade
führen und sich als gutes Praxisbeispiel in der Öffentlichkeit präsentieren.
Dies trägt zur breiten Sichtbarkeit der Dekade in Deutschland bei. Bisher
wurden etwa 100 Projekte ausgezeichnet.
Zum Beispiel: Im Schulprojekt „Chat der Welten“ tauschen sich Jugendliche in
Deutschland mit Jugendlichen in Ländern des Südens per Internet über umwelt-
und entwicklungspolitische Themen aus. Die „Transfair Aktionswoche“ des
Warenhauses Karstadt fördert fair gehandelte Produkte. Im Bundesland
Baden-Württemberg werden „Schülermentoren für Natur- und Umweltschutz“
ausgebildet, die ihren Altersgenossen Fragen der nachhaltigen Energienutzung
nahe bringen. Die Ausstellung „Re-Art One“ zeigt Kunst aus
Recyclingmaterialien. Zusätzlich zu diesen etwa 100 längerfristigen Projekten
haben dieses Jahr bereits zahlreiche Einzelveranstaltungen wie Tagungen zur
UN-Dekade stattgefunden.
Bildung für nachhaltige Entwicklung international
Das Erreichen kaum eines anderen politischen Ziels hängt so sehr von
gelungener internationaler Kooperation ab wie Nachhaltigkeit. Die
Rahmenbedingungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung unterschieden sich
aber weltweit dramatisch. Gleiches gilt für die Inhalte. Zukunftsfähigkeit
bedeutet in einem so genannten Entwicklungsland etwas radikal anderes als in
einer Industrienation. Dort geht es zunächst um die Sicherung der elementaren
Lebensgrundlagen, in den Industrieländern etwa auch um Fragen eines
nachhaltigen Konsumentenverhaltens. Dazu kommt die Herausforderung, die die
Industrialisierung der so genannten Schwellenländer für die nachhaltige
Entwicklung der Weltgesellschaft darstellt.
Dabei stellen sich viele Fragen, die den Kern der Globalisierungsproblematik
betreffen. Welche Strukturen von ‚global governance’ benötigen wir, um die
Zukunftsfähigkeit der Welt sicherzustellen? Wie ermöglichen wir die
Industrialisierung auch der Entwicklungsländer, ohne das Weltklima zu
gefährden? Wie verhalten sich knapper werdende Ressourcen und
Friedenssicherung? Die UN-Dekade sollte auch eine Chance sein, gerade diese
globalen Fragen immer häufiger zu stellen, mit Akteuren einer Bildung für
nachhaltige Entwicklung in anderen Ländern in Kontakt zu kommen und im Sinne
eines interkulturellen Dialogs voneinander zu lernen.
Entwicklungschancen für heutige und künftige Generationen dauerhaft zu sichern,
erfordert Mut, Kreativität und einen langen Atem. Der Generalsekretär der
Vereinten Nationen Kofi Annan hat es einmal als die „größte Herausforderung
für das 21. Jahrhundert“ bezeichnet, „die noch so abstrakt erscheinende Idee
einer nachhaltigen Entwicklung zur Realität für alle Menschen dieser Erde zu
machen.“ Die Umsetzung dieser scheinbar abstrakten Idee eines Generationen
übergreifenden Entwicklungskonzepts, ein Bewusstseinswandel eines jeden
Einzelnen hin zu mehr Nachhaltigkeit – das ist die Aufgabe, die sich jeder im
Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu eigen machen
sollte.
Über den Autor:
Alexander Leicht koordiniert die Aktivitäten im Rahmen der Dekade bei der
Deutschen UNESCO-Kommission.
Weitere Informationen zur Dekade im Internet:
Website der UNESCO zur Dekade:
http://portal.unesco.org/education/en/ev.php-URL_ID=27234&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html
(Englisch, Französisch, Spanisch)
Deutsche Website der UN-Dekade:
www.dekade.org
Website der Deutschen UNESCO Kommission, auf der Sie auf Deutsch, Englisch und
Französisch Informationen zum deutschen Beitrag zur Dekade finden:
www.unesco.de
[zum Inhaltsverzeichnis]
_________________________________________________
im web
Das neue Online-Lehrbuch
über Bildung für nachhaltige Entwicklung auf dem D@dalos Bildungsserver
www.dadalos.org
Bildung für nachhaltige Entwicklung heißt, Kompetenzen zu erwerben, um
die Zukunft aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten. Sie werden sich
sicher fragen: Wie kann das praktisch aussehen? Welche Inhalte soll ich
vermitteln, und mit welchen Methoden? Diese Fragen haben unser Team von
D@dalos bei der Überlegung geleitet, welchen Beitrag wir zu diesem (über)lebenswichtigen
Bildungsbereich und der UN-Dekade leisten könnten. Wir haben gleich am
Anfang des Jahres 2005 ein neues Online-Lehrbuch zum Thema
„Nachhaltigkeit“ entwickelt, das mittlerweile in allen Sprachen
Südosteuropas zur Verfügung steht und das Sie in Ihrer Sprache unter der
oben genannten URL im Internet finden.
Ich möchte Sie jetzt kurz durch dieses neue Angebot führen und Ihnen die
wichtigsten Inhalte beschreiben. Wie auch alle anderen Online-Lehrbücher
auf D@dalos besteht das Lehrbuch aus fünf Grundkursen, die Ihnen
Antworten auf wichtige Fragen rund um dieses Thema anbieten. Wir gingen
bei der Entwicklung davon aus, dass Sie selbst anderen nahe bringen
wollen, warum nachhaltige Entwicklung für die Bewohner unseres Planeten
die einzige Überlebenschance ist. Doch das reicht nicht. Sie wollen
sicher Ihren Schülern oder Seminarteilnehmern Wege aufzeigen, wie der
Einzelne im Sinne der nachhaltigen Entwicklung im Alltag handeln und
seinen Beitrag leisten kann. Wir haben also auch ganz praktische,
lebensnahe Beispiele gesammelt, die Sie in Ihrem Unterricht oder bei
Ihrer Bildungsarbeit gut einsetzen können.
Sie brauchen jedoch auch Hintergrundwissen, um wirksam argumentieren zu
können. Das Wichtigste finden Sie in Grundkurs 1. Wir zeigen
Ihnen, wie der Begriff ursprünglich entstanden ist und bieten
verschiedene Definitionen an. Daneben finden Sie eine Liste mit
ausgewählten Links im Internet und zwei Überblicksseiten, die graphisch
und inhaltlich das komplette Angebot zu Nachhaltigkeit darstellen.
Der Grundkurs 2 geht sofort in die Praxis und fragt: Wie handle
ich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung? Die meisten Menschen
jammern: Ich kann als Einzelner doch nichts ändern! Die Politiker sind
an allem schuld! Wir behaupten das Gegenteil: Jeder und Jede kann etwas
tun! In diesem Kapitel zeigen wir Ihnen praktische Möglichkeiten,
verantwortlich zu handeln. Sie werden lernen, dass Sie 350% Energie
einsparen, wenn Sie einen Deckel auf Ihren Wassertopf setzen. Und das
hat nicht nur für die Umwelt eine positive Wirkung, sondern auch für
Ihren Geldbeutel!
Sie erfahren, dass es bereits eine weltweite Bewegung gibt, die fairen
Handel unterstützt. Fairer Handel bedeutet, dass kleinen Landwirten in
Entwicklungsländern angemessene Preise für gute Produkte bezahlt werden
und damit der Ausbeutung ein Ende gesetzt wird. Wenn wir gezielt diese
Produkte kaufen und andere meiden, helfen wir mit und sorgen für mehr
Gerechtigkeit. Ein ganzer Abschnitt von Grundkurs 2 richtet sich an uns
als Verbraucher. Wir entscheiden, was wir einkaufen. Uns sollte bewusst
werden, dass unsere Kaufentscheidung eine Wirkung hat, die nicht nur uns
betrifft.
In einem anderen Abschnitt von Grundkurs 2 erfahren Sie, was
nachhaltiger Tourismus bedeutet: es sind nicht nur die Flugreisen, die
unserer Umwelt schaden, sondern man muss sich auch fragen: Wer verdient
eigentlich an meiner Urlaubsreise?
Den Begriff „Agenda 21“ haben Sie bestimmt schon gehört. Was sich
dahinter verbirgt und wie er uns betrifft, wird in Grundkurs 3
vorgestellt. „Global denken – lokal handeln!“ Das ist das Kernprinzip
einer lokalen Agenda 21, also zum Beispiel einer Initiative in unserer
Gemeinde, bei der gemeinsam an der Frage gearbeitet wird: Wie können wir
hier bei uns produzieren, Müll entsorgen, bauen, unsere Kinder
ausbilden, politisch entscheiden usw. - und dies im Sinne nachhaltiger
Entwicklung?
Grundkurs 4 behandelt das, was wir Menschen am nötigsten
brauchen: Luft zum Atmen und eine Temperatur, in der wir leben können.
Es geht um unser Klima. Es gibt viele Umweltprobleme. Klimawandel und
Wasserknappheit sind die größten! In diesem Grundkurs erklären wir
Ihnen, warum sich das Klima ändert und was die Konsequenzen sind. Was
passiert zum Beispiel, wenn der Golfstrom nicht mehr fließt? Und warum
könnte er aufhören zu fließen? Was hat die Politik bisher unternommen
und was kann ich persönlich tun, um unser Klima zu schützen? Das alles
finden Sie in Grundkurs 4.
Grundkurs 5 fragt nach den grundsätzlichen Problemen im
Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Was hindert uns als Weltgemeinschaft
eigentlich daran, so zu leben und zu handeln, dass wir unseren Kindern
und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen? Dieser Grundkurs gibt
Denkanstöße. Ist das Prinzip der Marktwirtschaft, die nur funktioniert,
wenn jeder so viel wie möglich kauft und konsumiert, eigentlich in
Einklang zu bringen mit einer nachhaltigen Entwicklung?
Wir hören, was der Physiker und Philosoph Fritjof Capra über unser
Weltbild sagt, von dem wir glauben, es sei die einzig mögliche
Wirklichkeit. Er zeigt, dass wir die Welt auch anders sehen können und
dass dies den Weg öffnen kann für einen nachhaltigen Umgang mit ihr.
Ferner erfahren wir, was die „Tragödie des gemeinsamen Gutes“ bedeutet:
Wir Menschen sind leider nicht in der Lage, unsere gemeinsamen
Ressourcen so vernünftig zu nutzen, dass langfristig genug für alle da
ist, wenn es unseren eigenen Interessen nicht nutzt. Deshalb braucht man
eine kontrollierende Instanz (also zum Beispiel ein Gesetz oder
jemanden, der bestimmt). Für globale Probleme mit einer internationalen
Dimension ist das schwierig. Hier kommen wir also zum Thema
Globalisierung, für das wir auf dem Bildungsserver ein eigenes
Online-Lehrbuch anbieten.
Vermutlich werden Sie bei der Lektüre dieser Zeilen gemischte Gefühle
haben. Mir geht es natürlich genauso, und deshalb möchte ich mit einem
Zitat von Fritz Schumacher schließen, das den ersten Grundkurs einleitet
und meines Erachtens sehr passend in Worte fasst, was die meisten von
uns im Herzen haben:
"Können wir uns darauf verlassen, dass eine Wende von ausreichend
vielen Menschen ausreichend schnell gelingt, um die moderne Welt zu
retten? Diese Frage wird oft gestellt, doch wie auch immer die Antwort
ausfällt, sie wird irreführend sein. 'Ja' als Antwort würde zu
Selbstgefälligkeit führen, 'Nein' als Antwort zur Verzweiflung. Es ist
erstrebenswert, diese Verwirrungen hinter sich zu lassen und sich an die
Arbeit zu machen."
[Fritz Schumacher, Öko-Philosoph
und Vorreiter der Ökologiebewegung, Autor des 1975 erschienenen Buchs
"Small is Beautiful"]
[zum
Inhaltsverzeichnis]
_________________________________________________
impressum
Dieser
Newsletter wird von D@dalos Sarajevo herausgegeben und wird finanziert
vom Auswärtigen Amt Berlin, dem Bundesministerium für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit (BMZ) und dem Europarat.
Verantwortliche Redakteurin: Ingrid Halbritter
Adresse: D@dalos Sarajevo
Aleja Lipa 57
71000 Sarajevo
Telefon: +387 33 715 600 (Buero Hrasno)
Telefon/Fax: +387 33 446 680 (Buero Vratnik)
Fax: +387 33 715 601
Mobil Ingrid Halbritter: +387 61 276 381
E-mail:
Ingrid.Halbritter@dadalos.org
Beiträge oder Themenvorschläge sowie Rückmeldungen bitte direkt an
Ingrid.Halbritter@dadalos.org
Mailingliste: Wenn Sie den Newsletter automatisch erhalten wollen,
schreiben Sie bitte an
Ingrid.Halbritter@dadalos.org
Wenn Sie den Newsletter automatisch erhalten haben und dies in Zukunft
NICHT mehr wollen, schreiben Sie ebenfalls kurz an die gleiche Adresse.
[zum
Inhaltsverzeichnis]
[nach
oben]
|