Suedosteuropa EDC Newsletter

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Ausgabe Nr. 1 vom 5. Oktober 2004

Vorwort der Herausgeberin 

Liebe Leserinnen und Leser des neuen Newsletters,

ab dem 1. Oktober 2004 moechten wir Ihnen alle zwei Monate einen Newsletter in deutscher Sprache anbieten. Er richtet sich an all diejenigen, die sich fuer Demokratieerziehung, Staatsbuergerkunde, Friedens- und Menschenrechtserziehung interessieren. „EDC“ ist die Abkuerzung fuer „Education for Democratic Citizenship“. Auf Deutsch koennte man dies etwa mit „Bildung fuer ein demokratisches Buergerverstaendnis“ uebersetzen. Dieses Kuerzel „EDC“ umfasst nach unserem Verstaendnis alle Bildungsbereiche, die ein gemeinsames, uebergeordnetes Lernziel haben: Motivation und Befaehigung zur gesellschaftlichen und politischen Teilnahme.

Zunaechst moechte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Ingrid Halbritter, ich komme urspruenglich aus Stuttgart in Deutschland. Nach dem Abitur habe ich zwei Jahre lang in Frankreich gearbeitet, dann in Stuttgart Uebersetzerin und Dolmetscherin fuer Franzoesisch gelernt und anschließend Politikwissenschaft und Rhetorik an der Universitaet Tuebingen studiert. Nach dem Studium war ich bei der deutschen Hilfsorganisation Kinderberg e.V. als Projektleiterin fuer friedenspaedagogische Projekte angestellt. Seit 1998 leite ich Bildungsprogramme in Suedosteuropa und bin Mitbegruenderin des Vereins D@dalos in Sarajevo. Seit Mitte 1999 lebe ich in der Altstadt in Sarajevo, das mittlerweile meine zweite Heimat geworden ist.

Ich glaube fest daran, dass jeder einzelne einen wichtigen gesellschaftlichen und politischen Beitrag leisten kann. Und ich glaube daran, dass jeder einzelne ein Stueck Verantwortung traegt – fuer sich selbst, fuer seine Mitmenschen, die Gesellschaft, in der wir leben, und fuer unseren Planeten.

Warum bieten wir Ihnen den Newsletter auf Deutsch an? - In Suedosteuropa gibt es sehr viele Menschen, die sehr gut deutsch sprechen. Die deutsche Sprache kann daher eine „Lingua franca“ sein, die Verstaendigung ueber Grenzen hinweg erleichtert. Ein anderer Grund ist, dass es sehr viele Informationsquellen (Buecher, Webseiten) gibt, gerade fuer den Bereich Demokratie-Lernen. Durch diesen Newsletter wollen wir Ihnen diese Ressourcen gezielt zugaenglich machen.

Was bietet Ihnen der Newsletter? - Wir wollen Sie mit Theorie und Praxis versorgen. In der Rubrik
zum beispiel werden wir Ihnen wissenschaftliche Aufsaetze oder Fachbeitraege ueber inhaltliche Themen anbieten, die fuer unseren Bereich relevant sind. In dieser Rubrik wollen wir Sie auch ueber nationale und internationale Bildungspolitiken informieren, z.B. in der naechsten Ausgabe ueber das fuer das kommende Jahr 2005 beschlossene „Europaeische Jahr fuer demokratisches Buergerverstaendnis durch Bildung“ des Europarats.

Es gibt viele Organisationen und Einzelpersonen, die großartige Projekte im Bereich des Demokratie-Lernens durchfuehren. Ueber diese Projekte und Menschen wollen wir berichten, und zwar in der Rubrik
wir stellen vor. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen unser eigenes Projekt vor.

im web ist die Rubrik, die Webseiten in deutscher Sprache bespricht. Auch hier fangen wir diesmal bei unserem eigenen Angebot an, dem Bildungsserver D@dalos.

termine informiert Sie ueber Fortbildungsmoeglichkeiten oder Veranstaltungen, die fuer Sie interessant sein koennten. Wir unterscheiden hier zwischen offenen und geschlossenen Veranstaltungen. Zu offenen Veranstaltungen kann sich jeder anmelden, die geschlossenen wenden sich an einen vorher definierten Kreis. Selbst wenn Sie dort nicht mitmachen koennen, finden wir es dennoch wichtig, dass sie davon erfahren, damit Sie beispielhaft sehen, was in der Region angeboten wird.

rueckmeldung ist ein Forum, in dem Sie sich zu Wort melden koennen. In dieser Ausgabe wollen wir gerne wissen, welche Themen besonders wichtig fuer Sie sind. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir unsere Arbeit an Ihren Beduerfnissen und Interessen ausrichten. Im ersten Newsletter finden Sie einen Fragebogen als gesondertes Dokument (in der Online-Version nicht vorhanden!).

Ich freue mich sehr darauf, mit Ihnen ins Gespraech zu kommen und Sie bei Ihrer Arbeit im Bereich des Demokratie-Lernens und der Staatsbuergerkunde zu unterstuetzen.

Viele herzliche Gruesse

Ihre Ingrid Halbritter 


INHALT

wir stellen vor: Verein fuer Friedenspaedagogik D@dalos in Sarajevo
Autorin: Ingrid Halbritter, Projektleiterin

zum beispiel … Politische Bildung in Deutschland
Autor: Ragnar Mueller, agora-wissen Stuttgart

im web: www.dadalos.org (Internationaler Bildungsserver fuer politische Bildung, Menschenrechtserziehung und Friedenspaedagogik)
Autorin: Ingrid Halbritter

termine:
Offene Veranstaltung: „Europa-Abende“ (ab dem 21. Oktober 2004 in Sarajevo)
Geschlossene Veranstaltung: Moderatoren-Ausbildung fuer die „Betzavta“-Methode (12.-16.10.2004 in Zagreb)

impressum


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wir stellen vor:

D@dalos Sarajevo – Verein fuer Friedenspaedagogik
Ingrid Halbritter

D@dalos Sarajevo wurde im Sommer 1999 in Sarajevo gegruendet. Das Ziel des Vereins ist es, in Suedosteuropa einen Beitrag zur Demokratisierung zu leisten. Die Projekte, die D@dalos durchfuehrt, setzen bei der Bildung an: in Schule, Universitaet, aber auch in Nichtregierungsorganisationen (NRO). Dabei konzentriert sich der Verein auf die demokratische politische Bildung. Er moechte gewissermassen das „kleine Einsmaleins“ der Politik vermitteln, also die Grundbegriffe der Demokratie als „schlechteste Staatsform, ausgenommen alle anderen“ (Winston Churchill).

Seine Ziele verwirklicht D@dalos mit verschiedenen Projekten, die meistens in der ganzen Region Suedosteuropa (ehemaliges Jugoslawien, Albanien, Bulgarien, Rumaenien, Moldawien) durchgefuehrt werden. Das Herzstueck der Arbeit ist der internationale Bildungsserver www.dadalos.org. Dort stehen mittlerweile acht Online-Handbuecher mit Hintergrund- und Unterrichtsmaterial zur Verfuegung. Die Themen: Menschenrechte, Demokratie, Politische Parteien, Europaeische Union, Vorbilder, Politikdidaktik, Friedenspaedagogik und Globalisierung. Sprachen: Albanisch, Bulgarisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Kroatisch, Mazedonisch, Rumaenisch und Serbisch (Details siehe Abschnitt "im web").

Diese Online-Handbuecher werden jedes Jahr auf CD-ROM herausgegeben und kostenlos an Interessierte verteilt und verschickt. Bestellbar bei: Enda.Pecenkovic@dadalos.org

Seit 1999 hat D@dalos fast 2.200 Lehrer in Wochenend-Kursen in die Nutzung des Bildungsservers eingefuehrt. Auf dieser Grundlage hat der Verein ein neues Produkt entwickelt: das Trainingskonzept Fit@school. Auf einer CD-ROM stehen Powerpoint-Praesentationen fuer die Lehrerfortbildung zur Verfuegung. Mehr Informationen bei Haris.Muhic@dadalos.org. Die CD-ROM kann kostenlos angefordert werden; bisher gibt es Fit@school auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und deutsch.

Weiterhin bietet D@dalos Fortbildungen fuer Multiplikatoren an (Lehrer, Dozenten, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen). Es gibt momentan zwei Programme: „Politik unterrichten in Suedosteuropa“ und „Betzavta – Miteinander“. Das erste Programm besteht aus einem Kurs, der herkoemmliche Seminare mit „e-learning“ kombiniert. Die Teilnehmer kommen zu drei Wochenend-Seminaren und bearbeiten dazwischen Aufga-ben, die vom Leiter des Kurses ueber E-Mail betreut werden. Wir erklaeren die wichtigsten didaktischen Prinzipien der demokratischen politischen Bildung, und die Teilnehmer lernen, selbststaendig Unterrichtseinheiten und Schulstunden ueber politische Themen zu entwickeln und vorzubereiten. Wir gehen davon aus, dass wir 2005 zwei Kurse anbieten koennen. Mehr Information erteilt Ingrid.Halbritter@dadalos.org.

„Betzavta“ oder „Miteinander“ ist eine Methode fuer das Demokratie-Lernen, die vom Adam Institut in Jerusalem entwickelt wurde. Was die Grundwerte der Demokratie bedeuten, wird bei dieser Methode eher am eigenen Leib erlebt und gefuehlt als rational verstanden. Die ersten 15 zukuenftigen Moderatoren aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien-Montenegro absolvieren 2004 ihre ersten beiden Kurse. Ein Trainerhandbuch auf bosnisch/kroatisch/serbisch wird in Kuerze auf www.dadalos.org/EDC zur Verfuegung stehen.

Anfang Dezember findet eine viertaegige Weiterbildung fuer Journalisten aus Serbien-Montenegro, Kroatien und Bosnien-Herzegowina in deutscher Sprache statt. Gemeinhin weiß die Bevoelkerung nicht viel ueber die EU und kann kaum die Auswirkungen eines Beitritts ihres Landes einschaetzen. Diese Fortbildungsveranstaltung soll mithelfen, dass die EU-Berichterstattung in der Region professioneller wird.

Ein weiterer Bereich bei D@dalos ist der Versuch, Menschen, Organisationen und Institutionen, die sich in der politischen Bildung engagieren, in Kontakt zu bringen, Informations- und Erfahrungsaustausch zu ermoeglichen und Zusammenarbeit anzustossen. Dieser Newsletter ist eine Massnahme; eine andere ist der so genannte EDC Markt, eine Webseite auf Englisch, die gute Projekte vorstellt, die anderen etwas bieten koennen (siehe www.dadalos.org/EDC).

Ganz neu fuer D@dalos ist das so genannte I.M.PACT Projekt. D@dalos ist eine von sechs Organisationen in Suedosteuropa, die ab 2005 Weiterbildungen auf dem Gebiet der Projektplanung und Selbstevaluierung fuer andere Organisationen und Institutionen anbietet, die politische Bildung betreiben. Informationen ueber das Projekt finden Sie auf der Seite www.impact-see.org, leider nur auf Englisch. Spaetestens am Jahresende wird es aber Handbuecher zu beiden Bereichen geben, die auch in Ihren Landessprachen dort online zur Verfuegung stehen.

D@dalos hat zwei kleine Bueros in Sarajevo mit vier hauptamtlichen Mitarbeitern. Unsere engsten Partner sind Prof. Dr. Wolfgang Schumann und Ragnar Mueller von der Gesellschaft agora-wissen in Stuttgart. Diese beiden Politikwissenschaftler, Europaexperten und Spezialisten fuer die Vermittlung von Wissen ueber neue Medien (Internet, CD-ROM) entwickeln unsere Inhalte und leiten die meisten unserer Multiplikatoren-Fortbildungen (mehr Informationen auf der Seite www.gesellschaft-agora.de).

Wir arbeiten mit ein paar ausgesuchten Nichtregierungsorganisationen eng zusammen: FAR in Burgas/Bulgarien, Sonnenberg Kroatien und D@dalos Montenegro. Mit den Bueros des Instituts fuer Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes (IIZ-DVV) in Albanien, Bulgarien, Serbien und BiH, Civitas@BiH, Gradjanske Inicijative Belgrad, der Universitaet Niksic, der Paedagogischen Hochschule Rijeka und den Bildungsministerien in der Region und den deutschen politischen Stiftungen kooperieren wir bei spezifischen Projekten.

Unsere Hauptgeldgeber sind: UNESCO (besonders die Deutsche UNESCO-Kommission), Auswaertiges Amt Berlin, norwegische und Schweizer Regierung, die AG Politische Bildung der deutschen politischen Stiftungen. Links zu allen Geldgebern finden Sie auf unserer Homepage www.dadalos.org.

Ingrid Halbritter, die das Programm bei D@dalos leitet, ist im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes als Friedensfachkraft von EIRENE e.V. Neuwied mit Mitteln des Bundesministeriums fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Bonn entsandt (Mai 2004 bis April 2007).

[zum Inhaltsverzeichnis]
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zum beispiel ...

Politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland

Ragnar Mueller

Da nach wie vor keine "Demokraten vom Himmel fallen"[1], bleibt die Demokratie als besonders schwierige und voraussetzungsvolle Staats- und Gesellschaftsform auf politische Bildung angewiesen, worauf in den letzten Jahren angesichts von Sparplaenen wieder verstaerkt hingewiesen wurde.[2] Der folgende Text versucht, in knapper Form wichtige Grundlagen der politischen Bildung zusammenzufassen. Er gliedert sich in zwei Abschnitte:

Aufgaben und Ziele politischer Bildung: Hier werden wesentliche Grundlagen der politischen Bildung dargestellt, wie sie sich in der deutschen fachdidaktischen Diskussion herausgebildet haben. Auf eine Darstellung der Geschichte politischer Bildung wird dabei verzichtet[3], im Mittelpunkt steht vielmehr das Selbstverstaendnis hinsichtlich Aufgaben und Zielen politischer Bildung.

Didaktische Prinzipien der politischen Bildung: Ausgehend vom zentralen "Beutelsbacher Konsens" aus dem Jahr 1976 haben sich eine Reihe von didaktischen Prinzipien etabliert, die den Kern der Politikdidaktik ausmachen.

Aufgaben und Ziele politischer Bildung

Ziel politischer Bildung ist die muendige Buergerin bzw. der muendige Buerger. Dass dies in praktisch jeder Publikation zum Thema zu lesen ist, darf nicht ueber die inhaltliche Unbestimmtheit des Begriffs hinwegtaeuschen, die sich zum Beispiel dann schmerzhaft bemerkbar macht, wenn es darum geht, ihn in andere Sprachen zu uebersetzen.[4] Das folgende Schaubild listet weitere, haeufig genannte Ziele politischer Bildung auf, welche die Kurzformel vom "muendigen Buerger" mit Leben fuellen.

Grundlegend gilt: "Politik und Bildung und dementsprechend auch politische Bildung sind Formen intentionalen Handelns; sie orientieren sich an Zielen bzw. Werten ... Der moderne Staat kann die Frage nicht beantworten, welches das hoechste Gut in einem pluralistischen Werteensemble sei. Wir koennen uns zwar darauf einigen, dass er schlimme UEbel verhindern soll, und als Kultur- und Sozialstaat muss er seine Taetigkeit auch positiv an Werten orientieren. Aber wir koennen Politik nicht verstehen als 'Verwirklichung' oberster Werte, sondern als Regelung von Konflikten und als Ringen um die jeweils bessere Ordnung im Blick auf allgemein anerkannte Ziele, die als Richtwerte staendige Aufgabe bleiben ... Dem muss politische Bildung gerecht werden."[5]

Konsensfaehige Aufgaben politischer Bildung

Was genau die Aufgaben politischer Bildung sind, bleibt im Detail umstritten und Veraenderungen unterworfen. Der folgende Textauszug nennt trotzdem einige Aufgabenfelder, die gegenwaertig als konsensfaehig gelten koennen:

"1. Ausbildung und Festigung eines freiheitlich demokratischen Wertbewusstseins,
2. Verstehen der Grundstruktur von Politik als Loesung aktueller Probleme durch Herbeifuehrung von verbindlichen Entscheidungen in strittigen gesellschaftlichen Fragen,
3. Orientierungswissen in wichtigen aktuellen Politikbereichen mit Zukunftsbedeutung, z.B. die Demokratie und ihre Gefaehrdungen, das Verhaeltnis von OEkonomie und OEkologie, die Zukunft der Erwerbsgesellschaft, die Globalisierung, die Einigung Europas,
4. Erwerb gewisser Fertigkeiten wie Umgang mit Informationen, Medien usw.
Hieraus ergeben sich unmittelbar zwei Aufgabenfelder mit unverzichtbaren, zugeordneten Inhalten: 1. Konkretisierung der Grundwerte ... 2. Verstehen des politischen Entscheidungsprozesses mit den beiden Aspekten:
- Entscheidungstraeger und ihre Legitimation (Parlament, Regierung, Abstimmungen und Wahlen, Foederalismus);
- Entscheidungsinhalte und ihre Quellen: Interessen und ihre Agenten (Buergerinitiativen, Verbaende, Parteien, Medien)."
[6]

Ziele politischer Bildung

Politische Bildung will Interesse an Politik wecken und die Voraussetzungen dafuer schaffen, dass die Adressaten zu muendigen Buergerinnen werden, indem sie selbstaendige politische Analyse- und Urteilsfaehigkeit zu vermitteln sucht.[7] Dazu ist natuerlich auch Grundwissen noetig. Deshalb zaehlt es auch zu den Aufgaben der politischen Bildung, das "kleine Einmaleins" der Politik zu vermitteln. Hierzu waere etwa der Umgang mit grundlegenden Begriffen wie Demokratie, Gewaltenteilung, Wahlen, Parteien, Frieden, Macht etc. zu zaehlen.

Aber demokratische politische Bildung bleibt bei der Vermittlung von Grundwissen nicht stehen - sie bildet lediglich die unverzichtbare Grundlage fuer die weitergehenden Ziele des Politikunterrichts. Denn wer sich nicht auskennt im politischen System, wer die Funktionen und Zusammenhaenge nicht durchschaut, kann auch seine Partizipationschancen nicht nutzen, ihm fehlt die Demokratiekompetenz, er bleibt als Buerger unmuendig. Daraus ergibt sich eine Abfolge von Zielen, die aufeinander aufbauen.

Die ersten drei Stufen finden sich in der einen oder anderen konkreten Ausformung in praktisch allen Veroeffentlichungen zum Thema, umstritten bleibt, ob die vierte Stufe - politisches Engagement - ebenfalls zu den Kernzielen politischer Bildung zu rechnen ist. Dieser Aspekt wird beispielsweise im Zusammenhang mit dem Begriff der Buergerleitbilder diskutiert.[8] Es kann mit guten Gruenden darauf hingewiesen werden, dass auch "muendige" Buergerinnen vorstellbar sind, die sich politisch nicht engagieren.

Vermittlung von Demokratiekompetenz

Ein terminologisch alternativer Weg der Zielbestimmung politischer Bildung stellt den Kompetenzbegriff in den Mittelpunkt. Joachim Detjen unterscheidet drei einander ergaenzende Kompetenzformen:

"Mit der kognitiven Kompetenz ist das Erfordernis eines gewissen Niveaus an Wissen und Lernfaehigkeit gemeint, wobei sich das Wissen auf die institutionelle Ordnung des politischen Systems, auf funktionale Zusammenhaenge innerhalb dieses Systems bis hin zu seinen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Abhaengigkeiten bezieht. Der Buerger soll aber auch hinsichtlich der Inhalte der je aktuellen politischen Entscheidungen ueber sachlich informierte Kenntnisse verfuegen.

Prozedurale Kompetenzen sind Kenntnisse und Fertigkeiten, die benoetigt werden, um politische Einflussmoeglichkeiten und Partizipationschancen auch tatsaechlich wahrnehmen zu koennen. Der Buerger muss zu diesem Zweck Kenntnisse ueber administrative Zustaendigkeiten und rechtliche Verfahren besitzen. Er muss ueber strategische Faehigkeiten verfuegen, um eigene oder als richtig erkannte allgemeine Ziele verwirklichen zu koennen.

Habituelle Kompetenzen sind Einstellungen ..., die der Buerger dem Gemeinwesen zu dessen Bestandserhaltung entgegenbringen muss ... Moderne Demokratien sind in ihren habituellen Erwartungen besonders anspruchsvoll. Als staatliche Gemeinwesen benoetigen sie natuerlich Rechtsgehorsam, darueber hinaus aber auch Opferbereitschaft, das Gemeinwesen gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen. Als liberale Gemeinwesen beduerfen sie der Fairness und der Toleranz in weltanschaulichen Angelegenheiten. Als demokratische Gemeinwesen sind sie angewiesen auf Partizipation, die nach Moeglichkeit rational, verantwortbar und regelmaeßig sein soll. Als sozialstaatliche Gemeinwesen kommen sie nicht ohne sozialen Gerechtigkeitssinn und Solidaritaet aus."[9]

Didaktische Prinzipien der politischen Bildung

Die didaktischen Prinzipien, wie sie sich in der fachdidaktischen Diskussion der letzten Jahrzehnte herausgebildet haben, bilden den Kern der Politikdidaktik. Sie operationalisieren die allgemeinen Ziele politischer Bildung, die haeufig mit der Kurzformel "muendiger Buerger" zusammengefasst werden. Ausgangspunkt fuer die Herausbildung dieser Prinzipien war die Beilegung der Kontroversen aus der Anfangsphase der Politikdidaktik durch den Beutelsbacher Konsens im Jahr 1976.

Der Beutelsbacher Konsens

1976 veranstaltete die Landeszentrale fuer politische Bildung Baden-Wuerttemberg eine Fachtagung in Beutelsbach. "Rueckblickend auf diese Veranstaltung formulierte ein Teilnehmer, Hans-Georg Wehling, drei Grundprinzipien politischer Bildung, die nach seinem Eindruck auf der Tagung als Minimalkonsens unwidersprochen geblieben waren."[10] Dieses Tagungsprotokoll ging als "Beutelsbacher Konsens" in die Geschichte der politischen Bildung nicht nur in Deutschland ein[11], markiert den Wendepunkt hin zu einer Professionalisierung und bildet seither das Fundament der Politikdidaktik.

"1. Ueberwaeltigungsverbot. Es ist nicht erlaubt, den Schueler ... im Sinne erwuenschter Meinungen zu ueberrumpeln und damit an der 'Gewinnung eines selbststaendigen Urteils' (Minssen) zu hindern. Hier genau verlaeuft naemlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der - rundum akzeptierten - Zielvorstellung von der Muendigkeit des Schuelers.

2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknuepft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen uneroertert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten ...

3. Der Schueler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen ..."[12]

Didaktische Prinzipien

Mit den Prinzipien "Ueberwaeltigungsverbot" und "Kontroversitaet" sind zwei zentrale und unverzichtbare didaktische Prinzipien benannt, die nach wie vor uneingeschraenkte Gueltigkeit beanspruchen koennen. Am Ende einer Unterrichtseinheit muessen mehrere Loesungen fuer ein politisches Problem stehen. Die Wahl des "besten" Weges kann und soll der Schuelerin oder dem Teilnehmer nicht abgenommen werden, sondern muss ihrem bzw. seinem eigenen Urteil ueberlassen bleiben. Die "Interessenorientierung" als drittes Prinzip des Beutelsbacher Konsenses hingegen war immer wieder Gegenstand der Diskussion - nicht im Sinne einer Streichung, sondern im Sinne einer Ergaenzung.[13]

Welche Funktion erfuellen die didaktischen Prinzipien, wie sie das Schaubild im Ueberblick darstellt? Sie bilden den Maßstab und die Referenzebene bei der Erstellung und Durchfuehrung einer Lehreinheit im Bereich der politischen Bildung. Es handelt sich um themenuebergreifende Handlungsempfehlungen, die von entscheidender Bedeutung bei der inhaltlich-methodischen Programmplanung sind, weil sie helfen, aus einer Fuelle von Moeglichkeiten und Aspekten begruendet einzelne fuer die Behandlung im Unterricht oder in Seminaren auszuwaehlen.

Die Prinzipien ueberlappen und ergaenzen sich, sie haengen eng miteinander zusammen. Je nach Themenstellung und Adressaten stehen andere Prinzipien im Vordergrund, keine Unterrichtseinheit wird allen gerecht werden. Eine herausgehobene Stellung haben die beiden ersten Grundsaetze des Beutelsbacher Konsenses inne, da sie immer Beachtung finden muessen, unabhaengig von der Thematik. Politische Bildung, die gegen das Ueberwaeltigungsverbot oder das Prinzip der Kontroversitaet verstoeßt, ist nicht professionell.

Wissenschaftsorientierung: Politische Bildung muss eng verzahnt sein mit ihren Bezugswissenschaften, insbesondere mit der Politikwissenschaft als primaerer Bezugswissenschaft.

Schuelerorientierung: Politische Bildung knuepft an den Erfahrungen und Interessen der Adressaten an (in der Erwachsenenbildung firmiert dieses Prinzip als Teilnehmerorientierung). Im Idealfall gilt: "Was inhaltlich bearbeitet wird und in welcher Weise dies geschehen soll, wird weitgehend gleichberechtigt zwischen Lehrenden und Lernenden verhandelt." Dieses Prinzip versucht, die Konsequenzen daraus zu ziehen, "dass Lernende nicht als Objekte des Belehrens zu verstehen sind."[14]

Problemorientierung: Politische Bildung soll von realen Problemen ausgehen und vorrangig Wissen und Kompetenzen vermitteln, die zur Problembearbeitung erforderlich sind. Problemloesungsfaehigkeit hat Vorrang vor Wissensanhaeufung.

Exemplaritaet: Politische Bildung kann Themen nie erschoepfend behandeln und muss sich auf einzelne Aspekte beschraenken. Exemplarisches Lernen bildet eine vertretbare Strategie der Stoff- und Komplexitaetsreduktion. Die Auswahl der zu behandelnden Aspekte muss zum einen schueler- und problembezogen sein, zum zweiten exemplarisch fuer das Thema. Das heißt insbesondere, dass der "politische Kern" des Themas in den Mittelpunkt rueckt. Exemplarisches Lernen und Lehren "soll ermoeglichen, Strukturen und Gesetzmaeßigkeiten im ausgewaehlten Problem zu erkennen"[15], und ist damit eng verzahnt mit dem Prinzip der Problemorientierung. Exemplarisches Lernen ist wichtiger als das Streben nach Vollstaendigkeit.

Aktualitaet/Anschaulichkeit: Politische Bildung soll nach Moeglichkeit aktuelle Probleme und Loesungsvorschlaege aufgreifen. Die Lehrinhalte sollen moeglichst wenig abstrakt, sondern anschaulich und einpraegsam vermittelt werden. Zusammen mit Auswahlkriterien wie Betroffenheit und Bedeutsamkeit der Thematik kann dadurch eine Steigerung der Motivation seitens der Schuelerinnen oder Teilnehmer erreicht werden.

Induktives Vorgehen: Politische Bildung geht nach Moeglichkeit vom Besonderen - von anschaulichen Einzelfaellen - aus, baut darauf auf und arbeitet das Allgemeine heraus. Das Prinzip "Induktion vor Deduktion" haengt eng mit anderen Prinzipien wie Schueler- und Problemorientierung oder Exemplaritaet zusammen.

Handlungsorientierung: Politische Bildung soll zum einen selbsttaetiges Lernen erlauben und foerdern (z.B. durch entsprechende Methoden wie Projektarbeit). Zweitens geht es aber auch "um das Einueben eines individuellen Handlungsrepertoires fuer die politische Auseinandersetzung und Meinungsbildung"[16] (z.B. durch Einueben von Schluesselqualifikationen wie Debattieren oder Praesentieren). Es geht also um Handlungskompetenz "als politikrelevante Methodenkompetenz der Schueler".[17] Mittlerweile wird nahezu das gesamte Spektrum an Methoden vom Ausfuellen eines Arbeitsblattes bis hin zur Studienfahrt als "handlungsorientiert" klassifiziert. Eine Uebersicht gibt das folgende Schaubild.[18]

Informationen zum Autor: Ragnar Mueller ist Politikwissenschaftler und Geschaeftsfuehrer der Gesellschaft Agora (Gesellschaft fuer Wissensvermittlung ueber neue Medien und politische Bildung). Im Rahmen des D@dalos-Programms ist er fuer die Entwicklung der Inhalte auf www.dadalos.org verantwortlich.

[zum Inhaltsverzeichnis]


[1] So lautet ein viel zitierter Ausspruch von Theodor Eschenburg - einem der Gruendervaeter der demokratischen politischen Bildung in Westdeutschland - zur Verdeutlichung der Notwendigkeit politischer Bildung.

[2] Etwa vom Direktor der Landeszentrale fuer politische Bildung Baden-Wuerttemberg, der schreibt: "Ich behaupte mit fester Ueberzeugung: Politische Bildung ist kein Luxusgut, auf das man in Sparzeiten verzichten kann. Ohne politische Bildung fehlt unserer Demokratie der Sauerstoff zum Atmen." (Siegfried Schiele, Ein halbes Jahrhundert staatliche politische Bildung in Deutschland; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7-8/2004, S. 3). Weitere Beispiele sind:

Darmstaedter Appell 1995. Aufruf zur "Reform der Politischen Bildung in der Schule"; abgedruckt in: Politische Bildung 4/1995, S. 139–143.

Muenchner Manifest vom 26. Mai 1997: "Demokratie braucht politische Bildung". Zum Auftrag der Bundeszentrale und der Landeszentralen fuer politische Bildung, online z.B. unter: http://www.lpb.bwue.de/aktuell/manifest.htm (20.04.2004).

[3] Kurze Darstellungen zur Geschichte der politischen Bildung in Deutschland:

Bernhard Sutor, Restauration oder Neubeginn? Politische Bildung 1945-1960; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7-8/1999, S. 3-12.

Hermann Giesecke, Entstehung und Krise der Fachdidaktik Politik 1960-1976; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7-8/1999, S. 13-23.

Walter Gagel, Der lange Weg zur demokratischen Schulkultur. Politische Bildung in den fuenfziger und sechziger Jahren; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 45/2002, S. 6-16.

Bernhard Sutor, Politische Bildung im Streit um die "intellektuelle Gruendung" der Bundesrepublik Deutschland. Die Kontroversen der siebziger und achtziger Jahre; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 45/2002, S. 17-27.

Wolfgang Sander, Von der Volksbelehrung zur modernen Profession. Zur Geschichte der politischen Bildung zwischen Ideologie und Wissenschaft; in: Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 11-24.

Etwas ausfuehrlichere Darstellung unter Einbeziehung der "Vor- und Fruehgeschichte" der politischen Bildung seit der Franzoesischen Revolution:

Wolfgang Sander, Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung, Bundes­zentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 429, Bonn 2003.

Kurze Darstellungen zur Geschichte der politischen Erwachsenenbildung:

Paul Ciupke, Historische Entwicklungslinien: Politische Erwachsenenbildung von der Aufklaerung bis zum Ende des Nationalsozialismus; in: Wolfgang Beer u.a. (Hg.), Politische Erwachsenenbildung. Ein Handbuch zu Grundlagen und Praxisfeldern, Bundeszentrale fuer politische Bildung, Bonn 1999, S. 61-85.

Klaus-Peter Hufer, Historische Entwicklungslinien: Politische Erwachsenenbildung in Deutschland von 1945 bis zum Ende der 90er Jahre; in: Wolfgang Beer u.a. (Hg.), Politische Erwachsenenbildung. Ein Handbuch zu Grundlagen und Praxisfeldern, Bundeszentrale fuer politische Bildung, Bonn 1999, S. 87-110.

Ausfuehrliche Darstellung der Geschichte der Erwachsenenbildung:

Josef Olbrich, Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 371, Bonn 2001.

[4] Vor genau dieser Herausforderung standen mehrere Uebersetzerinnen und der Autor, als es im Rahmen des internationalen politischen Bildungsprogramms D@dalos darum ging, ein Online-Lehrbuch zu den Grundlagen politischer Bildung von der deutschen Masterversion in mehrere Sprachen Suedosteuropas zu uebersetzen. Die besten UEbersetzungen des Attributs "muendig" haetten rueckuebersetzt etwas wie "volljaehrig" oder "zufrieden" bedeutet, so dass letztlich nur der Verzicht auf den Begriff als Loesung akzeptabel war. Aehnliche Probleme tauchen uebrigens u.a. auch beim Begriff "politische Bildung" auf.

[5] Bernhard Sutor, Theoretische Grundlagen; in: Wolfgang W. Mickel (Hg.), Handbuch zur politischen Bildung; Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 358, Bonn 1999, S. 66-67.

Umfassend zur Diskussion um Werte in der politischen Bildung: Gotthard Breit/ Siegfried Schiele (Hg.), Werte in der politischen Bildung, Bundeszentrale fuer politische Bildung, Bonn 2000.

[6] Klaus Rothe, Aufgabenfelder; in: Wolfgang W. Mickel (Hg.), Handbuch zur politischen Bildung; Bundeszentrale fuer politische Bildung, Schriftenreihe Band 358, Bonn 1999, S. 97.

[7] Vgl. stellvertretend fuer zahlreiche weitere Publikationen den ueberaus nuetzlichen kurzen Band: Paul Ackermann u.a., Politikdidaktik kurzgefasst. Planungsfragen fuer den Politikunterricht, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 326, Bonn 1994. Dort steht zu lesen: "Ein fundamentales Lernziel des Politikunterrichts ist, bei Schuelerinnen und Schuelern Verstaendnis fuer Politik zu wecken und Einsichten in politische Zusammenhaenge zu ermoeglichen" (S. 17).

[8] Dabei werden vier Buergertypen unterschieden: (1) Die politisch Desinteressierten, (2) die informierten und urteilsfaehigen Zuschauer, (3) die interventionsfaehigen Buerger und (4) die Aktivbuerger. Peter Massing fuehrt aus: "Die Aktivbuerger/innen scheinen ... fuer die schulische politische Bildung ein eher utopisches Ziel zu sein" (Peter Massing, Demokratietheoretische Grundlagen der politischen Bildung im Zeichen der Globalisierung; in: Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 36).

Wichtige Veroeffentlichung im Rahmen dieser Diskussion sind:

Paul Ackermann, Die Buergerrolle in der Demokratie als Bezugsrahmen fuer die politische Bildung; in: Gotthard Breit/Siegfried Schiele (Hg.), Handlungsorientierung im Politikunterricht, Schwalbach/Ts. 1998, S. 13-34.

Joachim Detjen, "Der demokratiekompetente Buerger" - politikwissenschaftliche Anmerkungen zu einer normativen Leitvorstellung der politischen Bildung, Wolnzach 1999.

Joachim Detjen, Buergerleitbilder in der politischen Bildung; in: Gotthard Breit/Peter Massing (Hg.), Buergergesellschaft, Zivilgesellschaft, Dritter Sektor, Schwalbach/Ts. 2000, S. 19-38.

[9] Joachim Detjen, Die Demokratiekompetenz der Buerger. Herausforderung fuer die politische Bildung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 25/2000, S. 12-13.

Peter Massing unterscheidet dagegen (1) Sachkompetenz, (2) Methodenkompetenz sowie (3) Sozial- und Selbstkompetenz (Peter Massing, Demokratietheoretische Grundlagen der politischen Bildung im Zeichen der Globalisierung; in: Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 37-39).

[10] Wolfgang Sander, Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 429, Bonn 2003, S. 147.

[11] Der Beutelsbacher Konsens wurde in vier Sprachen uebersetzt, worauf der Direktor der Landeszentrale fuer politische Bildung Baden-Wuerttemberg, die sich "fast als Gralshueter dieses Konsenses" fuehlt (Siegfried Schiele, Ein halbes Jahrhundert staatliche politische Bildung in Deutschland; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7-8/2004, S. 6), hingewiesen hat (Siegfried Schiele, Moeglichkeiten der politischen Bildung im 21. Jahrhundert; in: Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 309). Was er nicht wissen konnte, ist, dass der Beutelsbacher Konsens auch im Rahmen des internationalen politischen Bildungsprogramms D@dalos, das u.a. vom Autor geleitet wird, in Suedosteuropa große Verbreitung findet, beispielsweise im Rahmen des sechsmonatigen Fortbildungskurses "Politik unterrichten in Suedosteuropa".

[12] Hans-Georg Wehling, Konsens à la Beutelsbach?; in: Siegfried Schiele/Herbert Schneider (Hg.), Das Konsensproblem in der politischen Bildung, Stuttgart 1977, S. 179-180.

[13] Beispielsweise im Sinne einer Ergaenzung um einen Verweis auf das Gemeinwohl. So weist etwa Siegfried Schiele darauf hin, "dass immer wieder geprueft werden soll, ob die eigene Interessenlage auch mit dem Wohl aller vereinbar sein kann" (Moeglichkeiten der politischen Bildung im 21. Jahrhundert; in: Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.), Politische Bildung und Globalisierung, Opladen 2002, S. 309).

Die Diskussion in der Folge des Beutelsbacher Konsenses wird in den "Konsensbaenden" dokumentiert:

Siegfried Schiele/Herbert Schneider (Hg.), Konsens und Dissens in der politischen Bildung, Stuttgart 1987.

Siegfried Schiele/Herbert Schneider (Hg.), Reicht der Beutelsbacher Konsens?, Schwalbach/Ts., 1996.

[14] Beide Zitate aus: Klaus-Peter Hufer, Schueler-/Teilnehmerorientierung; in: Wolfgang W. Mickel (Hg.), Handbuch zur politischen Bildung, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 358, Bonn 1999, S. 223 und 226.

[15] Edgar Weick, Exemplarisches Lernen; in: Wolfgang W. Mickel (Hg.), Handbuch zur politischen Bildung, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 358, Bonn 1999, S. 270.

[16] Paul Ackermann u.a., Politikdidaktik kurzgefasst. Planungsfragen fuer den Politikunterricht, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 326, Bonn 1994, S. 148.

[17] Heinz Klippert, Handlungsorientierter Politikunterricht; in: Methoden der politischen Bildung - Handlungsorientierung, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 304, Bonn 1991, S. 10.

[18] Leicht veraendert nach: Heinz Klippert, Handlungsorientierter Politikunterricht; in: Methoden der politischen Bildung - Handlungsorientierung, Bundeszentrale fuer politische Bildung Schriftenreihe Band 304, Bonn 1991, S. 13.

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im web


Der internationale Bildungsserver fuer politische Bildung, Menschenrechts- und Friedenserziehung www.dadalos.org

Diese Webseite stellt – gewissermassen in Form elektronischer Handbuecher - gezielt Hintergrundinformationen und direkt einsetzbare Unterrichtsmaterialien fuer politische Bildung, Menschenrechts- und Friedenserziehung in neun Sprachen/Sprachvarianten zur Verfuegung. Die bisherigen Sprachen sind: Albanisch, Bosnisch, Bulgarisch, Kroatisch, Mazedonisch, Rumaenisch (ab Dezember 2004), Serbisch, Deutsch und Englisch. Der ge-amte Inhalt der Webseite wird einmal jaehrlich auf CD-ROM veroeffentlicht und auf Anfrage kostenlos versandt.

Der Grundgedanke fuer dieses Angebot war, beim „kleinen Einmaleins“ der politischen Bildung zu beginnen, Grundinformationen zu Kernthemen (Demokratie, Menschenrechte) anzubieten und grundsaetzliche Fragen klaeren zu helfen. Politische Parteien ist ein eigener Themenkomplex, der die notwendige Rolle der Parteien in einem demokratischen System erklaert und verschiedene Parteitypen und Parteiensysteme beispielhaft aufzeigt. Um Demokratie und Menschenrechte greifbarer zu machen, stellten wir ein Online-Handbuch ueber vorbildliche Menschen zusammen, die sich – als selbst Betroffene – fuer die Sache der Gerechtigkeit und des Friedens eingesetzt haben und denen dafuer der Friedensnobelpreis verliehen wurde.

Weitere Online-Handbuecher gibt es zu den Themen Europaeische Union und Globalisierung. Die EU ist natuerlich in allen Laendern der Region ein wichtiges Thema. Wir stellen die geschichtliche Entwicklung, das komplizierte Geflecht der Institutionen und Entscheidungsprozesse sowie Grundinformationen zur Problematik der Erweiterung zur Verfuegung. Dieser Themenkomplex ist derzeit nicht mehr ganz aktuell, wir haben jedoch vor, mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Nizza ein umfassendes Update anzubieten.

Globalisierung liefert inhaltliche Informationen und Material ueber ein Thema, das als Begriff mehr und mehr in aller Munde ist, von dem aber kaum jemand richtig weiß, was er nun bedeutet und umfasst. Wir bieten verschiedene Definitionen an, zeigen die Dimensionen, Folgen und Loesungsansaetze auf und bieten dem Lehrer praktische Ideen fuer den Unterricht an.

Noch in diesem Jahr wird ein neuer Themenkomplex ueber die Vereinten Nationen fertig. Er dient uns gleichzeitig als inhaltlicher „Brueckenkopf“ zur UN-Dekade fuer Bildung fuer nachhaltige Entwicklung, die 2005 beginnt und zu der wir bereits im Fruehjahr 2005 Hintergrundmaterialien fuer den Unterricht anbieten wollen.

Neben den inhaltlichen Online-Handbuechern gibt es zwei methodische: Politikdidaktik und Friedenspaedagogik. Politikdidaktik ist im Grunde eine praktische Anleitung, wie man Unterricht zu politischen Themen planen und durchfuehren kann. Im Zentrum stehen die wichtigsten didaktischen Kriterien, die als Massstab und Referenzebene dienen.

Friedenspaedagogik wurde in Kooperation mit dem Tuebinger Verein fuer Friedenspaedagogik entwickelt. Der Komplex umfasst Anregungen zur Beschaeftigung mit Begriffen wie Krieg, Frieden, Konflikt oder Gewalt und erlaeutert den wissenschaftlichen Hintergrund. Er zeigt auf, was Friedenspaedagogen tun, welche Aufgaben sich stellen und wie man praktisch Friedenspaedagogik betreibt. Unsere praktischen Hinweise erstrecken sich auch auf den Sport. Dort sind Ideen zu finden, wie sich Sport und der Fair Play-Gedanke friedenspaedagogisch nutzen lassen.

Feedback erbeten: Ihre Meinung interessiert uns sehr, denn je mehr Rueckmeldung wir bekommen, desto besser koennen wir unser Angebot auf Ihre Beduerfnisse zuschneiden. Bitte schreiben Sie Ihre kritischen Anmerkungen, Ideen und Kommentare an Ingrid.Halbritter@dadalos.org!

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termine

Offene Veranstaltung: „Europa-Abende“ (ab dem 21. Oktober 2004 in Sarajevo)
Sprache: Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

D@dalos bietet interessierten Buergern aus Sarajevo und der Umgebung drei Serien von Abendveranstaltungen ueber die Europaeische Union. Dabei werden Grundinformationen ueber die Entstehung der EU, ihre Institutionen, über die Erweiterung und die aktuelle Situation Bosnien-Herzegowinas vermittelt. Nach jedem Vortrag sind die TeilnehmerInnen eingeladen, bei einem Snack und Getraenk weiterzudiskutieren.

Veranstaltungsort: Bosanski Kulturni Centar
Branilaca Sarajeva 24, Sarajevo
Tel: 033/201 513

Termine:
1. Serie: Donnerstag, 21. Okt. – 28. Okt. – 04. Nov. – 11. Nov. – 16. November 2004 (immer donnerstags)
2. Serie: Montag, 22. Nov. – 29. Nov. – 06. Dez. – 13. Dez. und 20. Dezember (immer montags)
3. Serie: Donnerstag, 25. Nov. – 02. Dez. – 09. Dez. – 16. Dez. – 23. Dezember (immer donnerstags)

Anmeldungen werden erbeten bei Nihad Mesic, Telefon: 033/441 268 oder 061/379 838, per E-Mail: Nihad.Mesic@dadalos.org oder Fax: 033/715 601

Geldgeber: Arbeitsgruppe Politische Breitenbildung der deutschen politischen Stiftungen, koordiniert von der Konrad-Adenauer-Stiftung Belgrad


Geschlossene Veranstaltung: Moderatoren-Ausbildung fuer die „Betzavta“-Methode (12.-16.10.2004 in Zagreb)
Sprache: Englisch, Simultanuebersetzung Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

D@dalos und Sonnenberg Kroatien bieten in Kooperation mit der Juedischen Gemeinde Zagreb eine Weiterbildung fuer LehrerInnen und MultiplikatorInnen aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien-Montenegro an. Die Teilnehmer haben bereits im Juli 2004 ein „Betzavta“-Seminar in Sarajevo besucht und erhalten jetzt die erste Weiterbildung, um selbst „Betzavta“-Kurse moderieren zu lernen (Informationen ueber das „Betazvta“-Programm in Deutschland mit viel guter Information: www.betzavta.de). Die Ausbildung wird voraussichtlich 2005 fuer neue Teilnehmer angeboten. Interessierte melden sich bitte bei Ingrid.Halbritter@dadalos.org

Geldgeber: Auswaertiges Amt der Bundesrepublik Deutschland (Stabilitaetspakt)

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Verantwortliche Redakteurin: Ingrid Halbritter

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