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Parteienverdrossenheit

 






 

Parteien

Parteien in der Kritik (II)

Häufig wird kritisiert, die Parteien hätten sich zu weit von der Basis, von den Wählerinnen und Wählern entfernt. Die Distanz zwischen abgehobenen Berufspolitikern in allen Parteien und dem "einfachen Volk" sei zu groß, ein lebendiger Austausch nicht mehr möglich. Dieses Problem der Distanz betrifft auch die einfachen Parteimitglieder. Auch sie - so die Kritiker - sähen sich den Spitzenpolitikern ihrer Partei ohnmächtig gegenüber. Der folgende Text thematisiert dieses Problem ausgehend vom Begriff der Oligarchie.
Hinter-
grund
Der Begriff "Parteienverdrossenheit" fasst die verschiedenen Kritikpunkte an politischen Parteien griffig zusammen. Meistens wird unterstellt, dass die Parteien selbst schuld sind daran. Aber könnte es nicht auch andere Ursachen dafür geben? Dieser Frage gehen zwei Texte in einem gesonderten Abschnitt nach [...zum Text "Ursachen für Parteienverdrossenheit"]

Oligarchische Tendenzen

Schon 1911 hat Robert Michels in einem klassischen Werk zur Parteienforschung das "eherne Gesetz der Oligarchie" (Herrschaft weniger) nachgewiesen. Michels geht davon aus, dass jede Organisation unvermeidlich eine Führungsschicht hervorbringt, ohne diese effektiv und dauerhaft kontrollieren zu können. Sicherlich, die Notwendigkeit hauptamtlicher Funktionäre, der Informationsvorsprung der Parteispitze und die immer mehr um sich greifende Spezialisierung der Politik bewirken eine gewisse Verselbständigung des Parteiapparates. Jedoch ist zu prüfen, ob und wieweit der innerparteiliche Willensbildungsprozess von oben nach unten verläuft. Ämterhäufungen und (damit verbunden) Machtballung stellen schwerwiegende Probleme für jede große Partei (...) dar. Eine Verbesserung des innerparteilichen Meinungsaustausches ist zum Abbau verhärteter Parteistrukturen genauso vonnöten wie eine stärkere Mobilisierung der Mitglieder .

Oligarchische Tendenzen in den großen demokratischen Parteien sind bis zu einem gewissen Grad auch die Folge mangelnder Beteiligungsbereitschaft vieler Bürger . Nur ein kleiner Teil der Wähler und Sympathisanten einer Partei ist zu einer Mitgliedschaft bereit (...).

Dennoch wäre es verfehlt anzunehmen, die demokratischen Parteien nähmen die sich verschärfende Parteienkritik und eine in der Bevölkerung grassierende Parteienverdrossenheit, die sich u. a. in Stammwählerverlusten, sinkenden Mitgliederzahlen und deutlich verminderter Resonanz bei der jungen Generation niederschlägt, nicht zum Anlass für innerorganisatorische Reformen. Die Volksparteien sind in dieser Hinsicht nicht untätig geblieben (...). In der Diskussion sind Reformmaßnahmen wie die Einführung von Bestimmungen zur Begrenzung der Amtszeit und zur Verhinderung von Ämterkumulation, die Erweiterung der Mitwirkungsmöglichkeiten von Parteisympathisanten ohne formelle Mitgliedschaft, verstärkte Berücksichtigung von Frauen und Jugendlichen auf Parteitagen und in Parteigremien.

[Uwe Backes/Eckhard Jesse, aus: Informationen zur politischen Bildung 207, Parteiendemokratie, Bonn BpB 1997]

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Autor
: Klaus Müller
erschienen: März 2007
Preis: EUR 12,50

Der etwas andere Beitrag zur Bildungsdiskussion in Deutschland ...


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